der Liebe, der Dankbarkeit, der Treue, sich entäußere, seine persönliche Würdevernichte, um ganz in den Orden aufzugehen, ganz dem Gehorsam, den erfordert, zu leben, in dem Orden Vaterland und Vaterhaus zu sehen.Und mit den niedrigsten Dienstleistungen, mit den härtesten Entsagungenbeginnen die Betätigungen dieses Gehorsams im Probationshause, in welchemder Jesuit seine ersten Jahre zubringt. Betätigungen, durch welche die Per-sönlichkeit in den Staub getreten, der Wille gebrochen, dem Verlangen nachgeistiger Ausbildung jede Nahrung versagt, alle Eigenart vernichtet, ein willen-loser und gedankenloser Sklavensinn erzeugt wird, der denn freilich den Zwek-ken des Instituts vollkommen entspricht. Erst wenn er durch diese Schulegegangen ist, tritt der Novize in das Collegium ein, und damit beginnt dietechnische Ausbildung seines Geistes für die Zwecke der Gesellschaft.Nun wird er nach seinen Anlagen sorgsam studiert, und diese werden zurVirtuosität entwickelt. Ihnen entsprechend findet er dann seine Verwendung:als Prediger und Seelsorger, als Gelehrter, als Arzt, als Kaufmann, als Dienst-bote, oder in welchem Beruf, in welchem Kleide sonst. Denn mit den ver-schiedensten Mitteln arbeitet der Orden, und sein Arbeitsfeld ist unbegrenzt.Dem Orden blindlings gehorsam und ergeben steht der Jesuit mit all seinensorgsam ausgebildeten Kräften nur ihm, ihm aber in jedem Moment ganzzur Verfügung. Nur vermittelst des Ordens gehört er der Hierarchie an, wieer denn außerhalb desselben kein geistliches Amt annehmen darf. Mochtenaus anderen Orden Bischöfe, Kardinäle, selbst Päpste hervorgegangen sein:Loyolas Ehrgeiz war, daß seine Gesellschaft mächtig und einflußreich wartrotz Bischöfen, Kardinälen und Päpsten. Der Jesuitengeneral sollte alspapa nero neben dem papa bianco stehen, nicht hilfsbedürftig, sondern hilfe-spendend. Nur dadurch war der Gehorsam in dem Orden zu erhalten, daßjeder ausschließlich von ihm abhängig blieb. Nur dadurch war von der nichtsweniger als zahlreichen Genossenschaft die universelle Mission, zu der sie sichbestimmt hatte, auszuführen, daß jeder, von aller anderen Verpflichtungfrei, in jedem Moment für jedes Werk dem General zu freier Verfügung stand.Ignatius sagt einmal: „Die Arbeiter im Weinberge des Herrn dürfen nur miteinem Fuße auf der Erde stehen, den anderen müssen sie zur Fortsetzung derReise immer emporheben." Eine bleibende Statt gab es für sie nicht. Aberwo immer sie sich befanden, ob als Novizen im Probationshause oder alsMissionäre unter den Heiden, ob mitten im üppigen Hofleben oder in denHütten der Armut, ob im lauten Lärmen des Marktes oder in der feierlichenStille des Gotteshauses, und wie hoch oder wie niedrig der Rang war, den siebekleideten: immer standen sie unter genauester gegenseitiger Kontrolle;sie waren der Gegenstand unausgesetzter Beobachtung und Berichterstattungan den Oberen. Jedes Mitglied hatte das Recht und die Pflicht, jedem Ge-nossen gegenüber den Späher und Angeber zu spielen. Die Ausbildung diesesoffenen und geheimen Überwachungswesens, die dadurch ermöglichte Füh-rung förmlicher Konduitenlisten gehört zu den wesentlichsten Stücken dieserGesellschaft. Selbst der General war, trotz seiner monarchischen Stellung,von dieser beständigen Kontrollierung nicht ausgeschlossen. — —Fasten, Nachtwachen und dergleichen mönchische Übungen, die nur Zeit
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