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3 (1926) Die Neuzeit im deutschen Bereich
Entstehung
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Wie schon hervorgehoben, ist der Jesuitenorden ein militärisches Institutauf kirchlichem Gebiet, einegeistliche Miliz", eineCompagnie Jesu",eineLegion Gottes".

Wenn in anderen Orden die Mitglieder einander gleichstehen, ist im Jesuiten-orden die strengste Rangordnung durchgeführt, deren Spitze der mit mon-archischer Gewalt bekleideteGeneral" bildet. Das Band, das diese Gliederungzusammenhält, ist das der soldatischen Unterordnung, dieser Grundlage allesmilitärischen Haltes und Erfolges. Zwar nehmen die Jesuiten die drei Mönchs-gelübde an, aber während das der Keuschheit nur wenig betont, das der Armutgeschickt umgangen wird, legen sie alles Gewicht auf den Gehorsam. Aufihn ist die Gesellschaft geradezu gegründet. Nicht die Inbrunst des Glaubens,nicht die Werktätigkeit der Liebe, sondern die bis zu unerhörter Virtuositätausgebildete Parition ist die belebende Kraft des Ordens. Jeder Jesuit hatin dem im Range über ihm Stehenden seinen Vorgesetzten zu sehen. DieserObere hat für ihn die Bedeutung des Heilands, er spielt ihm gegenüber dieRolle der göttlichen Vorsehung, er hat für ihn göttliche Autorität. Seine Be-fehle sind deshalb unweigerlich zu vollziehen. Als wäre er ein Leichnamperinde ac si cadaver esset, so blindlings hat der Jesuit dem Oberen zu ge-horchen. Wenn er mitten im Schreiben von ihm einen Befehl erhält, so hater die Feder, ohne den begonnenen Buchstaben zu vollenden, niederzulegen,Um den Auftrag auszuführen.

Aber nicht nur sein Handeln, sondern auch seinen Willen, und nicht nur seinenWillen, sondern auch seine Einsicht hat er unter den Vorgesetzten und unterdie Kirche zu beugen. Und gerade dieser Verzicht auf die eigene Meinung,dieses schwerste Opfer ist es, was das Wesen des Jesuiten ausmacht.Wenndie Kirche definiert, daß etwas, was unseren Augen weiß erscheint, schwarz ist,so müssen wir sofort erklären, es sei schwarz", so heißt die Forderung der13- Regel der exercitia spiritualia.

Nicht jeder freilich, der sich für den geistlichen Kriegsdienst anwerben läßt,wird tauglich befunden. So wenig wählerisch die alten Orden in der Auf-nahme neuer Mitglieder verfuhren, so peinlich verfährt die Gesellschaft Jesu.Wer nicht ganz bestimmte, dem Orden und seinen Zwecken dienliche Eigen-schaften und Anlagen besitzt, wird zurückgewiesen. Selbst auf äußerlichekörperliche Vorzüge wird Gewicht gelegt, hingegen guter Ruf zur Aufnahmenicht erfordert; denn mit ihr ist ein Strich durch das ganze Vorleben gezogen.Und ebenso ist es mit der Entlassung. Ein Mitglied der Gesellschaft, das derenZwecke nicht mehr erfüllt, wird abgeschafft. Es ist die Anwendung des-selben Mittels, durch welches ein Offizierskorps sich jugendfrisch und tat-kräftig erhält.

Auch in ihrer Abgeschlossenheit liegt ein militärischer Zug. Sie ähneln darindem Janitschareninstitute, diesem gewaltigsten Militärorganismus jenerZeiten. Der Orden Jesu löst sich ganz von der Welt los, um desto unwider-stehlicher in ihr zu wirken. Er fordert von jedem, der in ihn eintritt, daßer die Bande, die ihn an Eltern, Familie und Freunde, an Heimat und Vater-land knüpfen, zerreiße, mit allen gewohnten Verhältnissen breche, all deredlen, von Gott dem Menschen eingepflanzten Triebe, der Anhänglichkeit,

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