römischen Kirche. Ignatius, der tapfere, im Kampfe gegen die Franzosenzum Krüppel geschossene spanische Offizier, entschloß sich — denn zu kämpfendrängte es ihn, der sich hinfort nicht mehr ins Schlachtgetümmel stürzenkonnte, auch fernerhin —, die weiten Gebiete des Heidentums der Kirche zugewinnen und ihr das in dieser Zeit des allgemeinen Abfalls von Rom ver-lorene Terrain zurückzuerobern.
Zu dem Zwecke gründete er seine Genossenschaft, die ganz sein Wesen wider-spiegelte. Dieselbe Vereinigung von religiöser Schwärmerei und nüchternerVerstandesschärfe, dieselbe Mischung von Frömmigkeit und Weltklugheit,von Abstinenz und Tatkraft, von glühender Begeisterung und kalter Berech-nung wie bei ihm. Eine Genossenschaft von ganz soldatischem Charakterund Geist: denn Krieg, Kampf, Eroberung war es, was es galt. Er verpflich-tete sie zu strengem Dienst, versah sie mit geistlichen Waffen, übte sie in sorg-samster Weise ein, erfüllte sie mit Kampfeslust und Siegesgewißheit undführte sie hinaus auf die Walstatt.
Jene asketische und kontemplative Arbeit an der eigenen Vervollkommnungder alten Mönchsorden lag dieser Genossenschaft ganz fern, ihre Mitgliedersollten nicht aus der Welt abscheiden, um sich durch Askese für den Himmelzu bereiten, sondern sich mitten in die Welt hineinbegeben, denn nur da ließsich der Zweck der Genossenschaft erreichen, der allgemeinerer, wenn man will,unpersönlicherer Art war. Er richtete sich auf die Mitmenschen, die es durchBeispiel und Überredung, durch List und Gewalt, auf geraden und krummenWegen zu bekehren, der „alleinseligmachenden Kirche" zu gewinnen und damitzur Seligkeit fähig und reif zu machen galt. Aber mehr noch als um dieses Seelen-heil der Mitmenschen war es ihr um die päpstliche Allgewalt über die Mensch-heit zu tun. Und deshalb jenes vierte und oberste Gelübde, das die eigent-lich Intimen der Gesellschaft abzulegen hatten, gleichsam ihr Fahneneid,in welchem sie geloben, „ihr Leben dem beständigen Dienste Christi und derPäpste zu weihen, unter dem Kreuzesbanner Kriegsdienste zu leisten, nurdem Herren und dem römischen Pontifex als dessen Stellvertreter auf Erdenzu dienen, so daß, was immer der jedesmalige Papst in Sachen des Heils derSeelen und der Verbreitung des Glaubens befehlen und in welche Länder immerer sie senden möge, sie ohne jede Säumnis und Entschuldigung sogleich(sin ulla tergiversatione aut excusatione, illico), soweit es in ihren Kräftenstehe, Folge zu leisten gehalten sein sollten". — Und zwar so blindlings, daßsie, wie Ignatius sich einmal ausdrückt, sich nicht bedenken dürften, in Er-manglung eines Schiffes das Weltmeer auf einem bloßen Brett zu durch-schiffen.
Von Paul III. (1540) bestätigt, von ihm und seinen Nachfolgern mit einerFülle zum Teil unerhörter Vorrechte und Vorteile förmlich überschüttet,stand die Gesellschaft Jesu, rasch wachsend, wie ein völlig unabhängigerStaat im Staate der römischen Kirche da und gewann, indem sie mit staunens-wertestem Erfolge den Kampf für die geistliche Universalmonarchie desrömischen Pontifikats aufnahm, bald genug die Mittel und die Macht, ihrer-seits die Kirche zu bestimmen und zu beherrschen. In demselben Maße, alssie neu erstarkte, wurde sie jesuitisch.
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