selbe Mann, der so entschieden der Welt zu entsagen suchte, bewies sich aberzugleich als der Kenner dieser Welt. Wenn ihn irgendein spanischer Lands-mann mit zum Essen nahm, dann blieb er während der Mahlzeit still, gab nurkurze Antworten und verfolgte um so genauer den Gang des Gesprächs, umim geeigneten Augenblick sich zum Herrn desselben zu machen, es in seinemSinne zu lenken und ihm eine erbauliche Wendung zu geben.Nach mancherlei Abenteuern gelangte Ignatius endlich nach Jerusalem.Es war die Seligkeit eines Kreuzfahrers, mit der er die heilige Stadt begrüßte;es war ihm in diesem Augenblicke, als sei es das himmlische Jerusalem, daser dort erblicke. So mächtig war noch in den Söhnen jenes Volks, das ebenerst aus dem Zeitalter ritterlicher Religionskriege herausgetreten war, die großereligiöse Leidenschaft des Mittelalters 1 Es war die felsenfeste Überzeugung, daßhier das Überirdische wirklich gewesen, daß an diesem Boden noch immer einStück vom Jenseits hafte, es war die echte Pilger-Sehnsucht: den Punkt zuerreichen, an dem der Himmel die Erde berührt, — die ihn trieben. Als ermit der Karawane die Stadt wieder verlassen sollte, eilte er noch ganz zuletztwiederum hinauf auf den ölberg, um nochmals die Fußspuren Christi, diedieser bei der Himmelfahrt dem Felsen eingedrückt haben sollte, zu verehren.Er schenkte, um zugelassen zu werden, sein letztes entbehrliches Besitztum,ein Täschchen mit Nähzeug, weg und nahm Abschied von der Stelle, an dersich zuletzt das Göttliche vom Irdischen getrennt hatte. Dann war es ihm aufder ganzen Seefahrt, als ob Jesus unsichtbar geleitend über dem Schiffedahin schwebe. (Eberhard Gothein, Ignatius von Loyola, 1885.)
KRIEGERISCHE ORDNUNG DES JESUITENORDENS
Wie oft hat man Ignatius von Loyola mit dem deutschen Reformator ver-glichen, der ihm doch in jeder Faser seines Lebens so entgegengesetzt war.Aber in Einem kamen sie einander nahe: ohne Luther würde die neue Kirchenicht ins Leben getreten sein, und ohne jenen Spanier würde sich, man darf esbehaupten, die römische Kirche nicht zu neuem Leben und neuer Macht ent-faltet haben.
Er war ein außerordentlicher Mensch von ganz singularer Begabung, aus denstärksten Gegensätzen zusammengesetzt. Auf der einen Seite ein eisernerWille, ein durchdringender Verstand, die zäheste Ausdauer im Handeln wieim Dulden, die unerbittlichste Härte gegen sich wie gegen andere, der kühnsteUnternehmungsgeist, die schärfste Beobachtung und Kenntnis des Menschen,ein durch und durch praktischer Sinn und ein erstaunliches organisatorischesTalent. Auf der anderen eine Phantasie von südlicher Glut, ein geradezufanatischer Hang zur religiösen Schwärmerei. Alles ins Große angelegt.Eine Zusammenfügung von Eigenschaften, die ihn im höchsten Grade ebensofähig machten, einen schrankenlosen Einfluß auf seine Mitmenschen aus-zuüben und Stifter einer religiösen Gemeinde zu werden, wie sich mit einergroßen Idee zu erfüllen und sie mit der unwiderstehlichen Rücksichtslosig-keit des Fanatismus zu verwirklichen.Diese Idee war die der Weltherrschaft des Papstes und Alleingültigkeit der
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