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3 (1926) Die Neuzeit im deutschen Bereich
Entstehung
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Orden als die entscheidende gegolten hat, so daß er selbst oft erklärte: alles, waser später gewollt und geleistet, führe sich in jedem Keime auf seinen Aufent-halt in Manresa zurück.

In Manresa fing nun Ignatius so nannte er sich fortan das strengeLeben eines Asketen an, und bald wühlten in seinem durch diese Anstrengungenangegriffenen Körper die leidenschaftlichsten Seelenkämpfe, andere als dieer schon auf dem Schlosse von Loyola durchgemacht und doch ihnen ähn-lich. Nie so berichtet er uns hatte er Rücksicht genommen auf irgend-einen inneren Vorgang, er wußte nicht, was Demut, reine Liebe und Geduld,vollends nicht, was Selbstbeherrschung sei, die auch diese Tugenden an Maßund Regel bindet; er kannte nur das eine; die Großtaten der Heiligen und denWunsch, mit ihnen zu wetteifern. Jetzt aber sah er sich gezwungen, sich be-ständig mit sich selber zu beschäftigen; und den Mann, der aller Reflexionbar gewesen, riß diese nun gewaltsam mit fort; sie ward ihm zum selbst-quälerischen Fieber; er taumelte zurück vor dem Abgrunde, als er zum ersten-mal in seinem eigenen Wesen zu lesen suchte.

In seiner engen Zelle betet er täglich sieben Stunden und geißelt sich all-nächtlich dreimal. Er erzählt uns: in seiner Angst habe er laut zu Gott ge-schrien: er müsse ihm helfen, da er bei keiner Kreatur Hilfe finde; keineArbeit wolle ihm zu groß sein, wenn er wüßte, wo er ihn finden könne. ,,Herr,zeige mir, wo ich dich finde; ich würde einem Hunde folgen, wenn er michden Weg zum Heile führen kann." Bis zu Selbstmordgedanken steigert sichseine Verzweiflung; schon ist er ans Fenster getreten, um sich hinauszustür-zen, als ihn der Gedanke an die Sünde wieder zurückbeben läßt. Jetzt fälltihm das Beispiel eines Heiligen ein, der, um einen Wunsch von Gott zu er-langen, sich lange der Speise enthalten hatte. Er beschließt, dies auch zu tunund erst, wenn er sich dem Hungertode nahe fühlt, etwas zu sich zu nehmen.Er nimmt das Abendmahl und hungert sodann eine ganze Woche. Von neuemaber beginnt Vorwurf aus Vorwurf, Erinnerung aus Erinnerung zu keimen;und zuletzt erfaßt ihn ein Ekel vor einem solchen Leben und der entschiedeneWunsch, es zu verlassen.

Da wacht er wie aus einem Schlafe auf. Er faßt den Beschluß, einen Strichunter sein bisheriges Dasein zu machen und nie wieder etwas von früher ge-schehenen Dingen in der Beichte zu sagen. Von diesem Augenblicke an ister frei von Vorwürfen und lebt der festen Überzeugung: der Herr habe ihmnach seiner Barmherzigkeit verziehen.

Bald ließ er viel von seiner asketischen Strenge ab; auch äußerlich gab er dieEremitenart auf, schnitt wieder Haar und Nägel. Der Zynismus, mit demmanche Mönche in der Vernachlässigung ihres Äußeren eine besondere Ehresuchten, blieb ihm, dem alten Offizier, zeitlebens unangenehm; er meintein solchen Fällen: wer die Armut liebe, brauche deshalb nicht auch den Schmutzzu lieben. Die Armut aber in ihren herbsten Formen zu erdulden, war jetztseine Absicht. Als er zur Überfahrt nach Barcelona wanderte, legte er dortdie letzten Kupfermünzen, die er besaß, auf eine Bank am Hafen, dann bettelteer sich erst auf dem Schiffe und dann in Italien bis Venedig durch; hier näch-tigte er dann unter den Arkaden der Prokurazien auf dem Markusplatz. Der-

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