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3 (1926) Die Neuzeit im deutschen Bereich
Entstehung
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Denkt er sich aber aus, wie er nach Jerusalem pilgern, wie er von Kräuternleben, sich aller Unbill aussetzen will, dann bleibt die Freude dauernd in seinemHerzen es ist eine unbekannte, ihm eben erst erschlossene Welt, die er davor sich sieht.Das war der erste Schluß über göttliche Dinge, den ich zog",endet er diese Erzählung. Der erste ist für diesen Mann, der niemals einenSchritt zurück tat, die Grundlage aller übrigen geworden.Jetzt träumt ihm in einer Nacht von der Jungfrau Maria, die den Jesusknabenauf dem Arme hält, schon der Traum genügt nun, um jedes andere weiblicheBildnis aus seinem Herzen zu verdrängen. Zugleich mit dem schwärmerischenEntzücken erfaßt ihn der Ekel vor seinem früheren Leben: er weiht sich derunbefleckten Jungfrau, und nie seitdem, so berichtet er, hat er der oft er-wachenden Begierde in Gedanken die Zustimmung des Willens erteilt.Als er dann das Lager verlassen kann, sitzt er am liebsten bis tief in die Nachtam Fenster und blickt auf den Himmel und die Sterne. Während seine Ge-danken den Weltraum durchfliegen, fühlt er in seiner Brust das hohe Be-streben, Gott sich zu weihen. Es ist ein greifbares Ziel, das er sich setzt: alleseine Gedanken stehen nach Jerusalem. Er wünscht sich, nur erst gesund

zu sein, um den Weg sofort antreten zu können.-------

Kaum genesen, schied er aus dem Hause des Bruders; mit vieldeutiger, ge-wundener Rätselrede, wie es die Sitte des Spaniers ist, gab er ihm Nachrichtvon seinem Vorhaben und verhüllte es zugleich. Zuerst verabschiedete er sichvon seinem Lehensherrn, dann entließ er seine beiden Knappen und ritt weiter,den einen Fuß im Stiefel, den andern im Pantoffel, vorwärts getrieben von denGedanken an die geistlichen Taten, die er vollführen wollte. Auf dem Wegebegegnete er einem maurischen Ritter, wie es deren viele in Spanien gab, deräußerlich Christ geworden, im Innern aber voll Spott über die erzwungenenGlaubensformen war. Des Mannes höhnende Rede über die Jungfrau Mariaerregte Inigos tiefsten Haß; er hatte sie erst ruhig angehört, dann dachte ernach, ob er nicht doch dem Spötter nachreiten, ihn zu Ehren der Himmels-königin niederstechen solle. Er schwankte und fand kein Zeichen in sich,ob sein Vorhaben Gott wohlgefällig sei; da überließ er die Entscheidung seinemMaultiere, wie es am Kreuzwege sich wenden wolle, es führte ihn von demMordanschlage hinweg.

So kam er nach dem Monserrat, dem heiligen Berge Spaniens. Hier wollteer feierlich, zwar nicht im Angesichte der Menschen, aber des Himmelreiches,die Wendung seines Lebens vollziehen. Was er im Amadis von Gallien, diesemIdealbuche des Rittertums, gelesen, das wollte er hier im geistlichen Sinnewiederholen. Am Altar der Maria hing er seine Waffen auf; dann hielt er dieganze Nacht stehend oder kniend seine Fahnenwacht in der Kirche; damithatte er sich zum Ritter der heiligen Jungfrau geweiht. Schon vorher hatteer die dürftige Kleidung eines Eremiten erstanden und sie hinten auf seinTier geladen; jetzt legte er sie an, dem ersten Bettler, der ihm begegnete,schenkte er seine ritterliche Kleidung und suchte sich einen Platz, wo er weiterseinem Vorsatz leben könne, nicht, wie die spätere Legende fabelt, eineFelsenhöhle im klüftereichen Monserrat, sondern das Dominikanerklosterzu Manresa. Hier begann eine neue Entwicklung für ihn, die ihm und seinem

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