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3 (1926) Die Neuzeit im deutschen Bereich
Entstehung
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Gefolgsmann, und dies Verhältnis blieb auch noch gewahrt, als ihn der Ehr-geiz wieder auf die Bahn des Königsdienstes zurückführte, wie alle tatkräftigenElemente des niederen Adels. Es war die Zeit, als den jahrhundertelang ab-geschlossenen Spaniern fast plötzlich die Überzeugung kam, daß sie zur Welt-herrschaft berufen seien; und auch Inigo Loyola erfüllte sich ganz mit dieserberauschenden Idee. Wenn er später in seinengeistlichen Übungen" diePhantasie zu der Vorstellung vom Heerlager Christi beflügeln will, bereiteter sie vor durch die andere vom Heerlager des Kaisers, der seine Getreuenzusammengerufen hat, daß sie ihm die Welt erobern und sie dann selber alsBeute hinnehmen. Solche Ideen waren es, welche die begeisterten, die unterPescara in Italien und unter Cortez in Mexiko fochten.

Die Bildung, welche Inigo empfangen, war für einen spanischen Edelmanneine gute zu nennen. Mit Entzücken hatte er die Ritterbücher gelesen, undseine Gedanken beschäftigten sich damit, die Abenteuer des Krieges und derLiebe, die er hier so herrlich geschildert fand, in die Wirklichkeit zu über-tragen. Er verstand es, zierlich zu schreiben und die Buchstaben mit Minia-turen zu versehen; er hatte sich die höfische Balladendichtung angeeignet,und sein erster Gesang galt dem heiligen Petrus, den er sich zum Schutzpatronerlesen, dessen Hilfe er in seiner Krankheit zu erkennen glaubte, und dessenVerfechter er in anderem Sinne werden sollte, als er damals ahnte.Alles in allem war es doch ein recht beschränktes Dasein, das er so führte;wenner später darauf zurückblickte, ist es ihm wie ein traumhaftes erschienen;und doch können wir dem jesuitischen Geschichtschreiber nicht Unrechtgeben, der in ihm schon damals die Züge des fertigen Charakters erblickte,der er später war. Die unauslöschliche Ruhmbegier, die Eleganz seines ganzenWesens, der hohe Geistesschwung, der von allem Gleichgültigen vornehm ab-sieht, die noble Art des Gebens und Dankens, der Ehrgeiz, sich die schwerstenAufgaben zu wählen, die Überlegung vor dem Handeln und die unerschütter-liche Beständigkeit während desselben, alles Eigenschaften, die sich wohlschon bei einem jungen Offizier entwickeln können, findet er bei Loyola,ja sogar Spuren seiner späteren Menschenkenntnis und der Geschicklichkeit,die Geister in seinem Sinne zu leiten.

Zu allem aber besaß Loyola noch eine Eigenschaft: eine glühende Phantasie.Er begehrte die gewohnte geistige Nahrung: die Ritterromane. In dem bas-kischen Schloß waren solche nicht zu finden; der ganze Bücherschatz desBruders bestand aus einemLeben Christi", das heißt einer Evangelienhar-monie, und einerBlütenlese der Heiligen". In sie las sich nun der unbe-schäftigte Kranke mit Feuer hinein. Seltsam verschlangen sich diese neuenEindrücke mit den alten; von den einen zu den andern sprang die Einbildungs-kraft über.

Nie hat er bisher nachgedacht über sich selber, über seinen Zustand; er hatsich den Empfindungen hingegeben, wie sie über ihn kamen. Jetzt, da ersich in ihrem Kreise haltlos hin- und hergetrieben findet, sinnt er zum erstenMale über sich nach. Eine Erwägung trifft ihn eines Tages blitzartig: dieweltlichen Phantasien, die ihm das höchste Entzücken bereiten, enden dochimmer mit Traurigkeit wie hätte es in seiner Lage auch anders sein können!

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