Druckschrift 
3 (1926) Die Neuzeit im deutschen Bereich
Entstehung
Seite
21
Einzelbild herunterladen
 

Liga ein Angriff am Herzen. (Gustav Freytag, Bilder aus der deutschen Ver-gangenheit, 1859/1867.)

LOYOLAS JUGEND UND AUFBRUCH

Im Jahre 1521 war einer kleinen Schar die Aufgabe zuteil geworden, in derFestung Pamplona den Rückzug des spanischen Heeres gegen einen Vorstoßdes Feindes aus Südfrankreich zu decken. Es war klar, daß sie den Platz nichthalten könne; alle Offiziere stimmten für Ergebung, den jüngsten allein aus-genommen. Es war dies der damals achtundzwanzigj ährige Don Inigo Recaldede Loyola. Nach einer stürmischen Rede, der jene Überzeugungskraft inne-wohnte, die ihm stets treu blieb, wußte er die anderen fortzureißen, sich mit ihmdem scheinbar sicheren Untergang zu weihen. Die Idee kriegerischer Ehreverschmolz sich in der Brust des Spaniers mit der religiösen Hingebung. AmMorgen des Schlachttages beichtete er und einer seiner Kameraden einanderwechselseitig, da ein Priester fehlte, und bereiteten sich so zum Tode. Dannstand er unerschütterlich dem stürmenden Feinde gegenüber auf der Bresche,bis ihm eine Kugel das Bein zerschmetterte. Die französischen Sieger ehrtenseine Tapferkeit und behandelten den Verwundeten mit aufmerksamer Scho-nung. Sobald es sein Zustand zuließ, brachten sie ihn auf das Schloß seinesBruders in der baskischen Provinz Guipuscoa.

Dort, in völliger Einsamkeit, dem Getümmel des Kriegslebens entrissen,aber die Seele voll von tausend kriegerischen Bildern, lag er da und nährtesich an immer erneuter Hoffnung, daß bald wieder die Tage für ihn anbrechenwürden, die ihn auf die kaum betretene Bahn des Ruhmes zurückführten.Die Wunde heilte langsam, und es zeigte sich, daß das eine Bein steif und kürzerals das andere bleiben werde, daß er zum Ritterdienst untauglich sein würde.Mit soldatischer Unerschrockenheit ließ er sich zweimal den Knochen brechen,damit er besser zusammenheile, und gewaltsam die Muskeln dehnen, damitsie die nötige Länge erhielten. In den fürchterlichsten Schmerzen krampfteer nur die Fäuste fest zusammen; nie hätte er einen Laut des Schmerzes überseine Lippen bringen mögen. Später hat er gespottet: er habe das alles er-tragen im Wunsche, wieder enge Stiefel tragen zu können. Seine Hoffnung,sich der alten Laufbahn zurückgegeben zu sehen, war vergeblich; sein Schmer-zenslager ward durch die Operation nur verlängert. Es begann für ihn dieZeit einer langsamen Genesung, die ihn seinen Wünschen nicht näher brachte.Inigo Loyola war der jüngere Sohn eines baskischen Adelsgeschlechtes, daszu den ersten des Landes gehörte, das jedesmal zur Krönung durch einen be-sonderen Boten vom Könige eingeladen wurde; er war ein echtes Kind jenesrätselhaften, verschlossenen und phantastischen Volksstamms. Als Edel-knabe war er früh an den Hof Ferdinands des Katholischen gekommen; derGeist des letzten Religionskrieges, durch den der spanische Boden von denUngläubigen befreit worden, hatte sich seinen Knabenjahren mitgeteilt.Dann hatte er sich, wie es Sitte war, bei den Söhnen ärmerer Adelsgeschlechter,an einen jener Granden, die damals in stolzer Abgeschlossenheit der Politikfernstanden, den Herzog von Najera, angeschlossen; er betrachtete sich als dessen

21