sogar zwischen den Bekennern der Augsburgischen Konfession. Auch diesverringerte ihre Kraft. Während die Priester der katholischen Kirche ihreLandesherren fest aneinander banden, halfen die protestantischen Geist-lichen die Trennung ihrer Fürsten vermehren.-------
Überall hatte der Protestantismus auch politische Erschütterungen hervor-gebracht; vom Bauernkriege bis in das nächste Jahrhundert hinein hörtendie Zuckungen im Volke nicht auf. Die Reformation hatte die Zungen gelöst,sie hatte den Deutschen auch das Urteil über ihre bürgerliche Stellung freiergemacht, sie hatte dem Einzelnen den Mut gegeben, die eigene Überzeugungdurchzufechten. Wie der Bauer jetzt laut über die unerschwinglichen Lastenmurrte, so der zünftige Bürger über die eigennützige Herrschaft der Stadt-gemeinde, so auch das adlige Mitglied der Landschaft über die ungemessenenGeldforderungen des Kriegsherrn. Schnell war mit Luthers Beistimmung diewilde demokratische Bewegung von 1525 niedergeschlagen worden, aber diedemokratischen Bestrebungen waren deshalb nicht geschwunden, und nebenihnen schlich das Wesen der Wiedertäufer, der Sozialisten des 16. Jahrhunderts,von Stadt zu Stadt. Ihre Lehre, kaum in ein System zu fassen, in jeder Per-sönlichkeit anders gefärbt, vom harmlosen Theoretiker, der sich ein Gemein-wesen aus guten Bürgern ohne Eigennutz, voll Selbstverleugnung erdachte,wie schon der erfindungsreiche Eberlin getan, bis zu dem ruchlosen Fanatiker,der zu Münster das neue Zion aufrichten half mit lügenhafter Gemeinschaftder Güter und Vielweiberei: — diese Lehre fand in jeder großen Stadt Dema-gogen, auf dem Lande war sie unausrottbar. Karl V. hatte sie in den Reichs-städten Süddeutschlands nicht ganz vernichten können, in Lübeck war siesogar auf eine kurze Zeit zur Herrschaft gekommen. Auch diese Regungenhatten gegen Ende des Jahrhunderts an Kraft verloren, aber sie arbeitetennoch in der Bevölkerung, zumeist in den Gegenden, wo der protestantischeWiderstand der Stände gegen den altgläubigen Landesherrn das Volk in Be-wegung erhielt. So war es in Böhmen, in Mähren, in Oberösterreich. Jeeifriger die Habsburger durch die Jesuiten den alten Glauben wiederherzu-stellen suchten, ja auch wenn sie, wie Kaiser Rudolf, sie in Untätigkeit ge-währen ließen, desto mehr wurden sie im eigenen Lande bedrängt durch dieForderungen der ständischen Opposition, wie durch die Aufregung im Volke.Und wohl erkannten sie einen drohenden Zusammenhang dieser Gegnerschaftin allen Besitzungen ihres Hauses. So waren ihnen nur zwei Wege geöffnet.Entweder sie mußten selbst Protestanten werden, und das war ihnen längstunmöglich; oder sie mußten die gefährliche Lehre und die Ansprüche, welchesie in die Seelen der Menschen warf, mit Entschlossenheit vernichten, in ihremeigenen Lande, überall. Der Habsburger kam, welcher das versuchte.Unterdes war der Mut der alten Kirche durch große Siege, die sie in andernLändern erfochten hatte, hoch gestiegen. Das heftige Aufbrennen der stän-dischen Opposition in kaiserlichen Ländern unter schwachen Herrschern drängtedie Freunde der Kirche zu gemeinsamem Handeln. Gegen die drohende An-griffsbewegung der katholischen Partei vereinigten sich protestantische Für-sten, wie einst zu Schmalkalden, wieder zu einer Union; die katholische Parteiantwortete durch die Liga; den Protestanten aber lag die Verteidigung, der
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