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3 (1926) Die Neuzeit im deutschen Bereich
Entstehung
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protestantisch zu werden; noch beim Beginn des Dreißigjährigen Kriegeswaren nach Verlusten und Erfolgen auf beiden Seiten drei Vierteile Deutsch-lands ganz oder in der Majorität protestantisch. Im Jahre 1650 war der ganzeneue Kaiserstaat wieder katholisch; und außerdem das größte Dritteil vonDeutschland. So gut hatten die fremden Priester ihrer Kirche gedient.Einem Wunder gleich war ihre Tätigkeit. Vorsichtig, Schritt für Schritt,planvoll, fest entschlossen, nie schwankend, dem Sturme weichend, unermüd-lich wiederkehrend, nie das Begonnene aufgebend, nach größtem Plane auchdas Kleinste mit Aufopferung betreibend, bot diese Genossenschaft die einzigeErscheinung einer unbedingten, willenlosen Hingabe aller an eine Idee, dienicht in einem einzelnen sich ausdrückte, sondern in der Genossenschaft.Der Orden herrschte, aber jeder einzelne war unfrei, auch der Ordensgeneralwar verantwortlich.

Der Orden erwarb Ehre und Gunst, wohl verstand er, sich beliebt oder unent-behrlich zu machen, wo er hinkam; aber er blieb in Deutschland doch fremd.Das Unheimliche des furchtbaren Prinzips empfanden nicht nur die Protestan-ten, welche ihn ohne Aufhören mit ihren papierenen Waffen, den Flugschriften,zu bändigen suchten und für jede politische Untat, die aus der Nähe und Ferneberichtet wurde, verantwortlich machten. Auch in den katholischen Ländernblieb er ein Gast, ein einflußreicher, vielgepriesener, aber den Geistlichen undLaien kam von Zeit zu Zeit die Empfindung, daß er nicht zu ihnen gehöre.Alle geistlichen Genossenschaften hatten sich dem deutschen Volksgeist an-gepaßt, Benediktiner, Kreuzherren, Bettelmönche, die Jesuiten nicht.Es ist natürlich, daß in der katholischen Geistlichkeit selbst diese Empfindungam stärksten war; denn auch ihr irdischer Vorteil wurde oft durch die Je-suiten beeinträchtigt.

So stehen seit der Mitte des 16. Jahrhunderts zwei entgegengesetzte Rich-tungen der Bildung, zwei verschiedene Quellen der Sittlichkeit und Tatkraftgegeneinander im Kampfe: fromme Ergebung und unbedingte Unterordnunggegen Pflichtgefühl und prüfende Selbstbestimmung, schneller, rücksichts-loser Entschluß gegen gewissenhaftes Zweifeln, weit überlegte, planvoll nachWeiten Zielen hinarbeitende Tatkraft gegen mangelhafte Parteizucht, Drang2 ür Einheit gegen Streben nach Absonderung.

So erschienen die Gegensätze überall, zumeist in der Politik, an den Höfender Fürsten. Den deutschen Fürsten war der Protestantismus in seiner un-fertigen Gestalt keine Hilfe für Bildung ihres eigenen Charakters. Er hattedas Volk gehoben, er hatte auch die äußere Macht der Fürsten höher gestellt,a ber er hatte ihre innere Festigkeit verringert. Schon ihre JugendbildungWurde meistens zu theologisch, um praktisch zu sein. Wie unsittlich manchev on ihnen waren, sie litten alle an Gewissenszweifeln; für diese Zweifel aberSab es keine schnelle Antwort, wie der katholische Beichtvater sie bereit hatte.Wie begehrlich viele von ihnen waren, auch sie hatten bereits mit einem un-sicheren Pflichtgefühl zu ringen, und wenn der Hofprediger ihr stiller Rat-geber war, er machte sie nicht fester. Jeder der protestantischen Fürsten standfür sich, zwischen ihren Landeskirchen war kein festes Band, viel kleinesGezänk und bitterer Haß, nicht nur zwischen Lutheranern und Reformierten,

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