Einfluß des politischen Moritz und seines Bruders, die eifrigsten Lutheranersammelten sich auf der neuen Universität Jena.
Aber diesem Geschlecht leidenschaftlicher Männer folgte eine anders gearteteNachkommenschaft. Um das Ende des Jahrhunderts schien der deutsche Pro-testantismus in den meisten Landschaften sicher vor äußeren Gefahren;da kam den Geistlichen übergroße Selbstgefälligkeit, Herrschsucht, alle Fehlereines bevorrechteten Standes. Einflußreiche Ratgeber schwacher Fürsten,immer noch Beherrscher der öffentlichen Meinung, verfolgten sie selbst zu-weilen den Andersgläubigen mit den Waffen der alten Kirche. Sie riefeneinige Male die weltliche Macht gegen die Ketzer auf, der Pöbel stürmte inLeipzig Häuser der Reformierten, in Dresden wurde ein höfischer Geistlicherwegen Ketzerei, freilich auch aus politischen Gründen, sogar hingerichtet.So warf das neue Leben auch tiefe Schatten in die Seelen des Volkes.Auch in den katholischen Landesteilen regte sich ein stärkeres, fremdartigesLeben. Die katholische Kirche schuf aus sich heraus eine neue Zucht derGeister, eine feste Art menschlicher Bildung, die der protestantischen scharfentgegengesetzt war. Auch in der alten Kirche wurde eine größere Vertie-fung des inneren Lebens erreicht, dem gemütlichen Bedürfnis der Gläubigenwurde die uralte Lehre von der Gefolgschaft der Mannen Christi in neuenFormeln, Bildern und Verheißungen geboten, noch einmal wurde die Idee deralleinseligmachenden Einheit wirksam. In Spanien, in Italien erhob sich dieneue Religiosität, auch sie voll Hingabe, Opfermut, Kampfesfreude, vollglühender Begeisterung, reich an starker Manneskraft. Aber es war jetzt einGlaube für Romanen, nicht für Deutsche. Was er forderte, war Vernichtungder freien Persönlichkeit, Losreißen von allen Banden der Welt, schwärmerischeUnterwürfigkeit, willenloses Einordnen des Mannes in die große GefolgschaftChristi. Das einzelne eigene Leben hatte sich zum Opfer zu bringen für dieHerrschaft der alleinseligmachenden Kirche, ohne Nachprüfung, ohne Be-denken.
Der große Vertreter dieser neuen Richtung in Kirche und Staat war derJesuitenorden. In der leidenschaftlichen Seele eines spanischen Edelmannesbrannte das düstere Feuer der neuen katholischen Lehre auf, unter asketischenBußübungen im engen Verkehr einer kleinen Genossenschaft bildete sich Artund Weise, sie auszubreiten. Im Jahre 1540 bestätigte der Papst die Gesell-schaft, kurz darauf eilen die ersten Mitglieder des Ordens über die Alpenund den Rhein nach Deutschland, schon herrschen sie auf dem Konziliumzu Trient. Ihre rücksichtslose Entschlossenheit kräftigt die Schwachen, er-schreckt die Wankenden. Merkwürdig schnell richtet sich der Orden inDeutschland ein, wo noch alter Glaube unter dem neuen zu finden war, ererlangt Gunst bei den Vornehmen, Zulauf vom Volke. Einige Fürsten über-geben ihm die geistige Herrschaft ihrer Länder, vor allen die Habsburger,neben ihnen deutsche Kirchenfürsten, welche die schwankende Treue ihresGebietes nicht durch einheimische Kraft festigen können, endlich die Herzögevon Bayern, welche seit hundert Jahren gewöhnt waren, den Vorteil ihresHauses im engen Anschluß an Rom zu suchen. Als die Väter zuerst nachDeutschland hinüberstiegen, war das ganze deutsche Volk auf dem Wege,
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