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3 (1926) Die Neuzeit im deutschen Bereich
Entstehung
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fehlungen reichen Vergangenheit drückte zu schwer. Es ist ja auch nicht dasGlück, nicht der Erfolg, die den historischen Rang einer Epoche bestimmen,sondern es ist die große Aufgabe. Diese Generation bleibt uns teuer durch diesittliche Leidenschaft, mit der sie für die erkannten hohen Ziele sich einsetzte.Sie besaß nicht den zweideutigen Idealismus, mit einem bloß geistigen Reich sichbescheiden zu wollen. Ein lange nicht gekanntes Gefühl für deutsche Ehreglühte in ihr auf, ein Überfluß war da an physischer Gesundheit und Kraft,Wohlhabenheit, Arbeitsfreude, Erfindungsgabe, eine mannhafte Freude ebensoam Schwertschlag wie an den Kämpfen des Geistes, und mit ihnen der opti-mistische Glaube, daß Deutschland dereinst an die Spitze der Völker tretenwerde. Wahrlich, mit dieser Generation wäre etwas zu machen gewesenwenn sie einen Führer gefunden hätte! Viele hochbegabte Männer auf vielenGebieten besaß sie aber keinen politisch denkenden, politisch wollendenKopf. Luther war dies am wenigsten. Dem Tage von Wittenberg folgte aufdem Fuße die Kaiserwahl von 1519, die im entscheidungsvollsten Moment einenFremdling an die Spitze des Reiches stellte. Als Karl V. nach Deutschlandzur Krönung zog, rief ihm Hütten zu:Tag und Nacht will ich dir dienen ohneLohn, manchen stolzen Helden will ich dir auferwecken, du sollst der Haupt-mann sein, Anfänger und Vollender". Es war eine furchtbare Täuschung.Alles ging nun wie es nicht anders konnte den falschen Weg. Es ist letzt-lich die erbliche Schwäche des politischen Sinnes, welche die Reformationverdorben hat. . .

Man wird, was in der Reformationszeit in der Seele unseres Volkes vor sichging, nicht völlig verstehen, wenn man nicht in seine Kunst sich eingefühlthat. Und doch war es nicht eigentlich ein ästhetisches Zeitalter, wie Italienzur selben Zeit eines erlebte und später Deutschland in der Zeit unsererklassischen Dichtung und Musik. Darüber kann kein Zweifel sein: den Deut-schen der Reformationszeit war doch wichtig über alles die Religion. DieItaliener konnten sich in der stellvertretenden Lösung durch die symbolischeScheinwelt der Kunst befriedigt fühlen, das nach höherer Gewißheit verlangendedeutsche Volk nicht. Wir müssen genauer beachten, an welchen Stellen dieKunst versagte. So kostbare und unvergängliche Schöpfungen sie hinterlassenhat, so weist sie, als Ganzes betrachtet, doch mehrere auffallende Lücken auf.Nennen wir gleich die größte: sie hat keine Architektur gehabt. Die Wesensver-schiedenheit vom Denken des Mittelalters kann sich nicht schneidender aus-drücken. Alles, was die Reformationszeit in ihrer Selbstdarstellung zu sagenhatte, drückte sie bildnerisch, malerisch, zeichnerisch aus, kurz in der un-mittelbaren Lebensform; in abgezogenen Symbolen, wie sie das Wesen derArchitektur ausmachen, sich zu verkörpern, vermochte sie nicht. Dazu warsie zu leidenschaftlich und personal. Die Architektur als eine Kunst derAbstraktion und Synthese rechnet auf einen homogenen Zustand des Ge-fühls- und Phantasielebens; sie braucht, um zu gedeihen, eine Zeit mit star-kem, doch ruhigem Pulsschlag. Hingegen in einer alle Grundlagen in Fragestellenden, nach neuen Werthaltungen suchenden, für rasch wechselndeStimmungen nach geschwinder Resonanz verlangenden Epoche, werden dieKünstler, um ihr persönliches Leben den andern mitzuteilen, lieber zum Meißel

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