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3 (1926) Die Neuzeit im deutschen Bereich
Entstehung
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als ursprünglich verschieden und innerlich geteilt erscheinen, so ist es un-leugbar auch das Naturell und Wesen der beiden Glieder dieses in zwei geteil-ten Volkes. In der nordischen Art ist anerkannt der Ernst vorherrschendund der Verstand; die Überlegung zieht ruhig ihre Kreise und kalkuliertvom kälteren Blute ungestört; darum kann die Handlung von der Besonnen-heit leichter geregelt werden, wird aber, da der Naturtrieb schwächer wirkt,oft mit steifer unentschlossener Langsamkeit vollbracht. In dem Wesen derSüddeutschen hat man hingegen die Behaglichkeit und Gemütlichkeit ebensoüberwiegend erkannt; was sie tun, kommt mehr aus dem Blut und Lebender Phantasie; sie lassen sich öfter vom Instinkte als vom Nachdenken be-stimmen, mehr Trieb ist in ihnen, aber weniger Form und Regel. So hat siedie Reformation gefunden, und in diesen Widerspruch hat sie sich niederge-lassen; sie hat den Gegensatz wohl weiter auseinandergerissen, aber sie hatihn mit nichten zuerst geschaffen. Scharfe verständige Klarheit haben jenein Religionssachen von ihr verlangt, und sie hat es ihnen zugelassen; währenddie andern, folgend dem dunkeln Triebe, dem alten Glauben treu geblieben.Was sich hier in der Kirche kund gegeben, das hat früher schon in der inner-sten Gesinnung begründet gelegen und sich nach und nach über das ganzeLeben, den Staat und die Verfassung und alles, was vom Menschen ausgeht,verbreitet. So ist es gekommen, daß nach und nach zwei verschiedene Völker-systeme in Deutschland sich gebildet; eine Trennung, die in der Uranlage derNation schon vorgezeichnet, durch jene große weltgeschichtliche Begebenheiterst recht an den Tag gekommen. (Görres, Rheinischer Merkur, 1814.)

FREIHEIT DES GEISTES

Die Reformation ging in Grimm und Haß auf: sie konnte es nicht in Liebe,denn ihre Zeit hatte sie nicht. Die Seele, die etwas Besseres wollte, sann undschaute auf sich, sah ihre Verkehrtheit und Verrückung, sah die Quelle, abernicht klar, und riß das Gute mit dem Schlechten, das Schöne mit dem Häß-lichen nieder. Die Mystik, das Schönste und Höchste der menschlichen Natur,die Kraft und das Feuer des Künstlers und des Frommen war mit allem Häß-lichen ihrer Verdrehung und der Priesterschlauheit eng verflochten. Wiesollte die Seele scheiden ohne des Geistes brüderliche Hand? Sie stieß selbstdie Liebe und das Erbarmen aus; die Kindlichkeit des Ahnens sollte in ihrauch Klarheit des Denkens werden. Sie ward auf eine andere Weise verrückt;ihr Höchstes ward Rechtlichkeit, Arbeit der Tugend, Kampf ohne Freude,Leben ohne Huld. So schufen Grimm und doch Sehnsucht nach dem EdlenLuthers und Calvins Systeme.

Nachdem die Seele so im edlen Grimme, der ihrer Zeit notwendig war, dieReformation begonnen, erschrak sie gleichsam vor sich selbst und der Welt,die sie bewegen wollte und nicht konnte, und floh mit tieferem Haß undSchrecken in sich zurück, denn die letzte Göttlichkeit war mit dem aufge-schleierten Wahn von ihr gewichen; nun erst war sie wahrhaftig arm ge-worden, als sie ihre ganze Armut und Verwaisung beschaute. Der Geist setztesich nun frech auf die Trümmer, die sie und der Zufall gemacht hatten. Er

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