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3 (1926) Die Neuzeit im deutschen Bereich
Entstehung
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tere Wort Gottes, keine ungebrochene Kraft als dieaus dem Glauben allein".(Johann Gustav Droysen, Geschichte der preußischen Politik, 1855/1886.)

ULRICH VON HÜTTEN

Für Hütten, wie für Erasmus, war es das sein ganzes Leben bestimmendeMoment, daß man ihn sehr früh dem Kloster übergab; aber noch viel uner-träglicher war ihm dieser Zwang; er war der Erstgeborene aus einem der nam-haftesten Rittergeschlechter auf der Buchen, das noch auf Reichsfreiheit An-spruch machte; als man ernstlicher davon sprach, ihn einzukleiden, ging erdavon und suchte sein Glück wie jener in den Bahnen der aufkommendenLitteratur. Was hat er da nicht alles bestehen müssen: Pest und Schiffbruch,Verjagung eines Lehrers, dem er dann folgt; Beraubung durch die, welcheihn eben unterstützt; eine abscheuliche Krankheit, die er sich im zwanzigstenJahre zugezogen; die Mißachtung, in welche Mangel und ein schlechter Auf-zug, besonders in der Fremde, zu bringen pflegen; seine Familie tat nicht, alsob er ihr angehöre; sein Vater betrachtete ihn mit einer gewissen Ironie.Aber immer behielt er den Mut ungebrochen, den Geist unbenommen undfrei; allen seinen Feinden bot er Trotz; sich zu wehren, ward ihm Natur.Das Studium der römischen Litteratur, in der die Deutschen eine so glorreicheRolle spielen, hat nicht selten die Wirkung gehabt, unseren Patriotismuszu erwecken. Die schlechten Erfolge des Kaisers in dem venezianischen Kriegehielten Hütten nicht ab, ihn doch zu preisen; die Venezianer behandelt er ihmgegenüber nur als emporgekommene Fischer; den Treulosigkeiten des Papstes,dem Übermut der Franzosen setzt er die Taten der Landsknechte, den Ruhmdes Jakob von Ems entgegen; in langen Gedichten führt er aus, daß die Deut-schen noch nicht entartet, daß sie noch immer die alten seien. Als er ausItalien zurückkam, war eben der Kampf der Reuchlinisten gegen die Domini-kaner ausgebrochen; er stellt sich seinen natürlichen Freunden mit allen Waffendes Zornes und des Scherzes zur Seite; den Triumph des Meisters feiert er mitseinen besten Hexametern, die einen sinnreichen Holzschnitt begleiten.Hütten ist kein großer Gelehrter; seine Gedanken greifen nicht sehr in dieTiefe; sein Talent liegt mehr in der Unerschöpflichkeit seiner Ader, die sichimmer mit gleichem Feuer, gleicher Frische in den mannigfaltigsten Formenergießt, lateinisch und deutsch, in Prosa und in Versen, in rednerischer In-vektive und in glücklich dialogisierter Satire. Dabei ist er nicht ohne den.ist eigener feiner Beobachtung; seine Feindseligkeiten sind nicht von ver-stimmend-gehässiger Art, sie sind immer mit ebenso warmer Hingebungnach einer anderen Seite verbunden; er macht den Eindruck der Wahrhaftig-keit, der rücksichtslosen Offenheit und Ehrlichkeit; vor allem, er hat immergroße, einfache, die allgemeine Teilnahme fortreißende Bestrebungen, eineernste Gesinnung; er liebt, wie er sich einmal ausgedrückt,die göttlicheWahrheit, die gemeine Freiheit". Der Sieg der Reuchlinisten war auch ihmzugute gekommen: er fand Aufnahme an dem Hofe des Kurfürsten Albrechtvon Mainz: mit dem mächtigen Sickingen trat er in ein vertrauliches Ver-hältnis; auch von seiner Krankheit ward er geheilt, und er konnte wohl daran

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