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3 (1926) Die Neuzeit im deutschen Bereich
Entstehung
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gekämpft hat. Es galt die Unterdrückung der hebräischen Sprache. AlsReuchlin siegte, konnte Luther sein Werk beginnen. In einem Briefe, dendieser damals an Reuchlin schrieb, scheint er schon zu fühlen, wie wichtigder Sieg war, den jener erfochten, und in einer abhängig schwierigen Stellungerfochten, während er, der Augustinermönch, ganz unabhängig stand; sehrnaiv sagt er in diesem Briefe: Ego nihil timeo, quia nihil habeo.Wie aber Luther zu der Sprache gelangt ist, worin er seine Bibel übersetzte,ist mir bis auf diese Stunde unbegreiflich. Der altschwäbische Dialekt warmit der Ritterpoesie der Hohenstaufenschen Kaiserzeit gänzlich unterge-gangen. Der altsächsische Dialekt, das sogenannte Plattdeutsche, herrschtenur in einem Teile des nördlichen Deutschlands und hat sich trotz aller Ver-suche, die man gemacht, nie zu literarischen Zwecken eignen wollen. NahmLuther zu seiner Bibelübersetzung die Sprache, die man im heutigen Sachsensprach, so hätte Adelung recht gehabt, zu behaupten, daß der sächsische,namentlich der Meißensche Dialekt unser eigentliches Hochdeutsch, das heißtunsere Schriftsprache sei. Aber dieses ist längst widerlegt worden. Das heutigeSächsische war nie ein Dialekt des deutschen Volks, ebensowenig wie etwadas Schlesische; denn so wie dieses entstand es durch slavische Färbung.Ich bekenne daher offenherzig, ich weiß nicht, wie die Sprache, die wir in derlutherischen Bibel finden, entstanden ist. Aber ich weiß, daß durch dieseBibel, wovon die junge Presse, die schwarze Kunst, Tausende von Exemplarenins Volk schleuderte, die lutherische Sprache in wenigen Jahren über ganzDeutschland verbreitet und zur allgemeinen Schriftsprache erhoben wurde.Diese Schriftsprache herrscht noch immer in Deutschland und gibt diesempolitisch und religiös zerstückelten Lande eine literarische Einheit. Ein solchesunschätzbares Verdienst mag uns bei dieser Sprache dafür entschädigen,daß sie in ihrer heutigen Ausbildung etwas von jener Innigkeit entbehrt,welche wir bei Sprachen, die sich aus einem einzigen Dialekt gebildet, zufinden pflegen. Die Sprache in Luthers Bibel entbehrt jedoch durchaus nichteiner solchen Innigkeit, und dieses alte Buch ist eine ewige Quelle der Ver-jüngung für unsere Sprache. Alle Ausdrücke und Wendungen, die in derlutherischen Bibel stehn, sind deutsch, der Schriftsteller darf sie immerhinnoch gebrauchen; und da dieses Buch in den Händen der ärmsten Leute ist,so bedürfen diese keiner besonderen gelehrten Anleitung, um sich literarischaussprechen zu können.

Luthers Originalschriften haben ebenfalls dazu beigetragen, die deutsche«spräche zu fixieren. Durch ihre polemische Leidenschaftlichkeit drangen sietief in das Herz der Zeit. Ihr Ton ist nicht immer sauber. In der Bibel istLuthers Sprache aus Ehrfurcht vor dem gegenwärtigen Geist Gottes immerin eine gewisse Würde gebannt. In seinen Streitschriften hingegen überläßter sich einer plebejischen Rohheit, die oft ebenso widerwärtig wie grandiosist. Seine Ausdrücke und Bilder gleichen dann jenen riesenhaften Stein-figuren, die wir in indischen oder ägyptischen Tempelgrotten finden, undderen grelles Kolorit und abenteuerliche Häßlichkeit uns zugleich abstößtund anzieht. Durch diesen barocken Felsenstil erscheint uns der kühneMönch manchmal wie ein religiöser Danton, ein Prediger des Berges, der von