der Höhe desselben die bunten Wortblöcke hinabschmettert auf die Häupter
seiner Gegner.-------
Ich habe gezeigt, wie wir unserm teuerm Doktor Martin Luther die Geistes-freiheit verdanken, welche die neuere Litteratur zu ihrer Entfaltung bedurfte.Ich habe gezeigt, wie er uns auch das Wort schuf, die Sprache, worin dieseneue Litteratur sich aussprechen konnte. Ich habe jetzt nur noch hinzuzu-fügen, daß er auch selber die Litteratur eröffnet, daß diese und ganz eigent-lich die schöne Litteratur mit Luther beginnt, daß seine geistlichen Lieder sichals die ersten wichtigen Erscheinungen derselben ausweisen und schon denbestimmten Charakter derselben kund geben. Wer über die neuere deutscheLitteratur reden will, muß daher mit Luther beginnen und nicht etwa mit einemNüremberger Spießbürger, namens Hans Sachs, wie aus unredlichem Miß-wollen von einigen romantischen Litteratoren geschehen ist. Hans Sachs, dieserTroubadour der ehrbaren Schusterzunft, dessen Meistergesang nur eine läppischeParodie der früheren Minnelieder und dessen Dramen nur eine tölpelhafteTravestie der alten Mysterien, dieser pedantische Hanswurst, der die freieNaivetät des Mittelalters ängstlich nachäfft, ist vielleicht als der letzte Poetder älteren Zeit, keineswegs aber als der erste Poet der neueren Zeit zu be-trachten. (Heinrich Heine, Zur Geschichte der Religion und Philosophie inDeutschland, 1834.)
KAISER UND MÖNCH
Karl gehörte zu jenen tiefen Seelen, welche erst mit sich selbst vertraut wer-den und ihre Vorstellungen ausarbeiten müssen, ehe sie lebhaft auf die äußereWelt einzuwirken lieben. Seinen natürlichen Hang zum beschaulichen Lebenmußte er überwinden, bevor er dartun konnte, welche großen Kräfte in ihmlagen. Bisweilen schlug die Gewalt seines Genius, seiner Charakterstärkehervor; wenn aber ein einzelner Blitz hervorgeschossen war, verschloß sichder wortkarge Jüngling wieder in seine fast traurige Ernsthaftigkeit. Manhatte bei seiner Gemütsart am wenigsten seinem mittelmäßigen und nichtschlanken Wüchse Gewandtheit und Stärke des Kriegers zugetraut, als erplötzlich bei einem Ritterspiel zu Valladolid Leibeskraft, Waffenfertigkeit,ritterlichen Anstand und Gegenwart des Geistes unter dem Jubel des Volkeszeigte. Aber bedeutender war, daß auf seinem weißgeschliffenen Schild nurdas Wort Nondum stand; denn noch nicht, aber gewiß dereinst war er einerder größten Männer auf Thronen. Die Kaiserkrone war sein glänzenderWunsch gewesen, und als die Nachricht kam, daß sie ihm geworden sei, ändertesich kein Zug in seinem ernsten Gesicht. Er hat das Ansehn, sagte Spanier,als habe er den Erdball unter seinen Füßen.
Auf seinem ersten Reichstag zu Worms erschien er ganz im Geiste seiner Ahn-herrn. Hier kam die neue Lehre Luthers zuerst als eine allgemeine politischeAngelegenheit in Beratung. Durch die Geschichte des österreichischen Hausesgeht der Zug, daß es wie ein Bollwerk alter Wahrheit und Meinung, des Her-kommens in Staat und Kirche dasteht, an welchem, ohne daß es die allmählicheUmwandlung zum Bessern verhindern will und kann, das verderbliche Ein-reißen von Neuerungen sich brechen muß, bis wenigstens die Hauptgefahr von