Druckschrift 
Handbuch der Philosophie :
(der Logik, Metaphysik, Moral- und Rechtsphilosophie)
Entstehung
Seite
449
Einzelbild herunterladen
 

449

deswegen über seinen Herrn?" Unsere menschliche Vernunftist nur das Mittel, wodurch wir die Offenbarungen Gottes er»kennen können. Haben wir die Offenbarungen erkannt^ so sindwir verpflichtet, ihnen zu glauben und zu folgen. Die Gintheilungder Wabrbeiten in vernünftige und übervernünftige sollteeigentlich heißen:Die Einthcilnng in solche, welche schon von dermenschlichen Vernunft, und in solche, welche nicht von dermenschlichen Vernunft (durch die in der menschlichen Vernunft lie-genden Principien allein) als wahr erkannt werden können."

XII. Zum Schluffe mögen hier noch einige wichtige Worte aus derphilos. Einlcit. des Hermes stehen:Die Ausshrüche des ge-sunden Menschenverstandes sind Aussprüche der Vernunft,deren Zusammenhang mit den Principien der Ver-nunft nicht klar erkannt, aber dunkel gefühlt wird, wes-wegen sie denn auch dem unbefangenen Wahrheüsstnue des Men-schen so unübersteiglich sind; und sie können nichts Anderes seyn,weil der Mensch außer seiner Vernunft kein WahrhcitSvermögcnin sich hat, selbst keines der Ahnung der Wahrheit und derWahrscheinlichkeit. Sie dienen daher ihrer Natur nach zumLeitsterne für die philosophische Untersuchung; undwo cs gelingt, daS dunkele Gefühl ihrer Wahrheit durch Nach-wcisung ihres Zusammenhanges mit den Principien der reinenVernunft in Einsicht zu verwandeln, da ist der Beweis ihrerWahrheit gewonnen und der Wahrheit alles dessen, wasdurch richtige Folgerung aus ihnen abgeleitet wird (S.552). Die Mehrzahl der Mensche» weiß nicht, wie sie inallen Rücksichten ihrer sittlichen Bestimmung entsprechen könneund solle. Das Vertrauen zu der Einsicht und dem guten Willenihres Lehrers muß und kann die Meisten (selbst die Gebildeten,denen eine philosophische Bildung fehlt) einzig leiten. Wird alsonicht derjenige, der sich in der Nothwendigkeit befindet, fremdeBelehrung zu suchen und anzunekmcn, mit größerer Sicher-heit die ihm nöthigc Belehrung von einem übernatürlichen We-sen annehmcn, was sich ihm als Gott oder als einen BothenGottes ankündigt und beglaubigt? (S. 356). Dem Philosophenwird seine Philosophie durch die Offenbarung bestätigt. Zwar-thigt die Philosophie selbst zur Annahme der Offenbarung; aber dashindert nicht, daß diese zugleich eine Bestätigung seiner Lehren sey(die ja hier aus einem andern Wege gefunden werden). UndLieß ist kein unbedeutender Gewinn für den bescheide-nen Mann, der es nie vergißt, daß er aller Sorgfaltungeachtet in seiner Untersuchung doch irren könne. Abersie gewährt ihm noch einen größer» Nutzen. In der Offenba-rung tritt ein übersinnliches Wesen handelnd hervor i ndie Sinnenwclt, und beurkundet auf solche Weisesinnlich die Wirklichkeit des U cbersinnlichen; und istdas offenbarende Wesen Gott selbst, so bewährt erdadurch sinnlich die Wahrheit der menschlichen Vcr-

29