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Handbuch der Philosophie :
(der Logik, Metaphysik, Moral- und Rechtsphilosophie)
Entstehung
Seite
116
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Abstrakte (reine) Metaphysik

Erster Theil:

Lundamentalnletaphysik.

§. 4 .

Wie kommen wir zur festen Ueberzengung von der ob-jektiven Wahrheit? Wo sind die höchsten Principienunserer objektiven (materialen) Kenntnisse zu suchen?

Wir denken freilich Manches, ohne dasselbe als wahr zu er-kennen. Zwischen dem Gedanken und der Erkenntniß istalso eine große Kluft; oft ist sogar das Resultat unsers Denkensdieses, daß man den Gegenstand, worüber man gedacht hat, nochgar nicht erkennet. Aber hierbei bleibt es doch wahr, daß das Den-ken oft das Mittel zur Erkenntniß wird, daß wir nicht erkennenkönnen, ohne zu denken. Sind wir nun aber sogar gcnöthigt,Etwas als wahr (als wirklich möglich oder eristirend) zu den-ken, so sind wir eben hiedurch gcnöthigt, dasselbe für wahrzu halten. Warum?

Alle Ueberzengung beruhet auf dem unmittelba-ren Bewußtseyn, welches uns bestimmet, nöthigt. Etwas fürwahr zu halten. Keine Wahrheit eristirt für uns, als insofernwir davon überzeugt sind. Die Ueberzeugung kann aber nichtaußer uns, sondern sie muß in uns scyn, weil es unsere Uebcr-zeugung ist. Daher muß alle Ueberzengung auf einem unmittelba-ren Bewußtseyn, auf einem unmittelbaren Wissen der Wahrheit be-ruhen. Das unmittelbare und ressere Bewußtseyn der Sache in unsist also die höchste, für Menschen erreichbare Erkenntniß, ist dasUrprincip der Gewißheit aller andern Erkenntniß; denn diese kön-nen keine andere Gewißheit haben, als die das Bewußtseyn ihnenbezeugt. Nur im Bewußtseyn finden wir ja die Gesetze unsers Er-kenurns und Handelns, und unsere gcistesgesetzmäßige Nothwendig-keit, »ach ihnen so zu erkennen und zu handeln. Wir können kei-ne gewissere Erkenntniß weder der eigenen Notwendigkeit, noch deruns nöthigcnden Gesetze erreichen, als daß wir uns derselben alsin uns vorhandener unmittelbar bewußt sind. Wann, unter welcherBedingung bezeugt uns das Bewußtseyn die Wahrheit einer Erkennt-niß? Das Fürwahrhalten wird immer durch Nothwendigkeit(unmittelbare oder mittelbare) bestimmet; aber nur dann, wenn wirin dem vollständigen refleren Bewußtseyn das Für-wahrhalten als ein nicht willkührliches, sondern unsnothweudiges finden. Dann haben wir Sicherheit un-sers Fürwahrhaltens, haben die uns Menschen mögli-che Erkenntniß der Wahrheit und die Wahrheit derErkenntniß und der Gewißheit; wir sind dann gegen dieBerirrung, Falschheit für Wahrheit zu halten, geschützt. Denn,