Einleitung in die Philosophie
§. i.
Vorstellung.
§8ei jeder Vorstellung ist 1. ein Etwas, ein Objekt, unter,scheidbar, welches vorgestellt wird; 2. «»Subjekt, dem vorgestclltwird; 3. dasjenige, wodurch vorgestellt wird, d. i. die Vorstellungselbst. Das Vorstellen ist keiner weitern Erklärung bedürftig undfähig, weil wir bei allen Erklärungen endlich auf Etwas kommenmüssen, welches an sich jedem klar genug ist, indem sonst nichts erklärtwerden könnte; und weil jeder schon weiß, was das Vorstellen ist,und die Vorstellung doch wieder durch eine Vorstellung erklärt werdenmüßte. — Dasjenige in uns, wodurch wir das Subjekt (unser Ich)von dem Objekte und von der Vorstellung unterscheide», ist das Be»wußtseyn.— Die Vorstellungen sind entweder sinnliche (einzelne)Vorstellungen, oder übersinnliche, allgemeine, abstrakte.
§. 2 .
Sinnliche Vorstellungen.
Die sinnlichen Vorstellungen werden in zweifacher Hinsicht betrach-tet, 1. als die von (äußern oder inner») Gegenständen bervorgebracb-ten Eindrücke (daher als etwas Passives, d. i. als Etwas, wobeiwir uns zulassend verhalten, als Etwas, welches zu uns kommt),2. als die thätigen Anschauungen der empfangenen Eindrücke(daher als etwas Aktives).
Der Sinn, die Sinnlichkeit (theoretische) ist das Vermö-gen der Seele, von Gegenständen afficirt zu werden (Eindrü-cke zu bekommen) und sie anzu schauen (wahrzunehmen).
Anschauung ist etwas Thätiges. Richtet die Seele nichtselbstthätig ihre Aufmerksamkeit, ihren Blick, auf den empfangenenEindruck, wobei sie passiv war, z. B. auf die Worte, die bei'm Auf-schlagen eines Buches in die Augen fallen; so entsteht keine Empfin-dung, keine (sinnliche) Wahrnehmung, keine (sinnliche) Anschauungderselben. Man unterscheide also wohl die passiv empfangenen Vor-stellungen (Eindrücke, Bilder, Erscheinungen) von den thätigen
1