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macht, statt daß die neuere Philosophie sie bei ihrer Anwendungstillschweigend voraussetzt. Man sagt, daß man mit dem Defi-niren nicht anfangen, sondern endigen müsse; gerade als wärees nicht eben so leicht, eine Theorie zu erschleichen, wenn manvon einer Sache in die Kreuz und in die Queere spricht, undhintennach mit der Definition kommt. Hätte die Kritische Philo-sophie mehr definirt; so würden gewiß der Mißverständnisse unddes Streitens desto weniger seyn. — Auf eine willkührlicheArt sollen die Definitionen freilich nicht gemacht werden. TieMehrheit der Definitionen ist noch kein Beweis von ihrer Will-kührlichkeit. Ein Begriff ist vielleicht besser, als der andere, weilsich alles leichter, natürlicher und vollständiger daraus herleitenläßt; aber deswegen ist der andere noch nicht grundlos. Crustussagt, man müsse die Realität der Definition vorher darthun,ehe man sie einem Beweise zum Grunde lege; denn was hälfe esmir, wenn ich noch so viel von einem geflügelten Pferdebeweise: am Ende werde ich doch nur eine Theorie von einem Hirn-gespinste haben. Allerdings habe ich durch meinen bloßen Begriffdie Existenz des korrespondirenden Objekts noch nicht darge-than. Allein dieß ist auch nicht immer meine Absicht, und es istmir oft genug, zu wissen, daß, wenn ein solches Ding eristirt, esdiese oder jene Beschaffenheit nothwendig haben werde. So kannich mir eine sehr zusammenhängende Theorie von dem unendli-chen Geiste bilden, ohne mich noch um seine Wirklichkeit zu be-kümmern. Das heißt aber nicht mit Hirngespinsten spielen, wennich meine Begriffe nach den nothwendigen Gesetzen meines Ver-standes verknüpfe. Schon der Zusammen Hang und die Ucber-einstimmung in einem Lehrgebäude ist ein Beweis, daß dieBegriffe darin nicht aus der Luft gegriffen sind, sondern Reali-tät haben müssen. Ist der Begriff von eristirenden Dingen abge-zogen; so hat er eben deswegen Realität, und alles, was ichdurch richtige Bernunftschlüsse daraus herleite, muß eben so gutRealität haben. Freilich kommt man hier mit dem Idealismusund der Kantischen Theorie in's Gedränge. Allein beide sindnicht bewiesen: man kann sogar auf ihre Einwürfe antwortenund ihre Beweise entkräften; und da findet die Maxime statt,daß, wenn ich in der Metaphysik zwischen zwei Theorien zu wäh-len habe, die beide gleich großen Schwierigkeiten unterworfensind, ich mich vernünftiger Weise für die erkläre, die den gemei-nen Menschenverstand auf ihrer Seite hat. — Das Systema-tische hat einen so großen Werth, daß ich mit Lambert be-haupte, daß ein mittelmäßiges System doch immer besserscy, als jene unzusammenhangende Erkenntniß, zu der auch Un-gelehrte nach und nach gelangen können. Gesetzt, der Satz vomGrunde lasse sich nicht aus dem Satze vom Widerspruche hcr-leiten und auf diese Art seine Objektivität streng beweisen *): soll
*) Srattler und Joseph Stöger, welche dieMängel der Lci'bnik-