427
lichc Verfassung zerstört, den Auftrag, die Vollmacht dazugegeben, die gegenwärtige Ordnung der Tinge, worin so vieleMenschen Schutz und Sicherheit und Glück fanden, pi vernichten?Wer bat ihn selbst da;» wobl bevollmächtigt, an die Stelle desSchlechten! etwas Besseres zu setzen? — Ferner werden wohlalle Bürger dasjenige für besser halten, was man ihnenstatt des ihnen Genommenen zu geben verspricht? — Wer istSchuld an so vielen Gräueln der Ungerechtigkeit, dieim Zustande der Gesetzlosigkeit, der Eigenmacht, der Partbeiwuthverübt werden? — Und wie, wenn die alte Verfassung mit einernoch weit mangelhaftern vertauscht wird, wer ist Schuld an allendiesen Uebeln? Wer anders, als der Empörer, der Demagoge?Sollte man sich nicht weit lieber einem ungerechten Drucke unter-werfen, als durch Aufruhr alle bürgerliche Ordnung umkebrcn, unddie Gräuel der Anarchie über ein Land bringen, ohne zu wissen,wann und wie ein rechtlicher Zustand zurückkehren werde? — DieEmpörung ist also himmelschreiende Ungerechtigkeit selbst gegen dieStaatsmitglieder. — Ein noch gräulicheres Verbrechen ist es, denRegenten sogar mit dem Tode zn strafen. Denn wo ist das Gesetz,nach welchem ein König (selbst ein entthronter) zu richten wäre?Kommt nicht dem Staatsoberhaupte die höchste Gerichtsbarkeit zu;kann er also wohl einem höhcrn menschlichen Gerichte unterworfenscyn? — Welche sind dann die Mittel gegen die Tyrannei der Re-genten? j) Ter Unterthan darf ehrfurchtsvolle Vorstellun-gen thnn, und seine Beschwerden vortragen. Wird dochnichts erhört, so muß der Unterthan denken, daß er die Sachevielleicht unrichtig bcurtheile, daß die Obrigkeit nicht mit Wis-sen und Willen ungerecht handle, daß die schrecklichsteUnordnung entstehen würde, wenn der Grundsatz gälte,daß jedem vermeintlich ungerechten Verfahren der Obrigkeit gewalt-samer Widerstand entgegengesetzt werden dürfe. (Freilich die Ge-setze, die gegen das Gesetz Gottes, gegen das Gewissen offenbarstreiten, darf der Unterthan nicht befolgen; man muß Gott mebr^gehorchen, als den Menschen). 2) Das beßte Mittel gegen dieTyrannei ist die Rcligiösität des Staatsoberhauptes, der inGott den höchsten Herrn, Gesetzgeber und Richter anerkennt, vordem er einst Rechenschaft ablcgen, und von dem er Belohnungoder Bestrafung für die gute oder schlechte Staatsverwaltung er-halten wird.
Wie aber, wenn durch die Revolution eine neue Ordnung derDinge eingeführt und die alte Verfassung gestürzt ist? Was ist daGercchtigkeitspflicht?
Antwort: Entweder muß man auswandern (welches mitRechte nicht verwehrt werden kann), oder man muß sich ruhig denGesetzen der neuen Verfassung unterwerfen und das Kriegfüh-ren den Kriegern überlassen. Denn, wer in dem Lande bleibenwill, muß, da er ohnehin znm Eintritte in einen Staat ge-zwungen werden kann, gerade in den Staat treten, welcher in