kling oder der Wirklichkeit des Willens, ein Versprechen zn kalten,ist eine magische Formel, ein Zauberwort, und deshalb nichts, alseitle Superstition."
^ 2. Pörschke sagt in seiner Einleitung in die Moral: „Bei'm
! Eide setzt man seine zeitliche und ewige Glückseligkeit zum Pfände,! und gibt, was man nicht darf, seinen Grundtrieb nach Glückseligkeitauf. Dem ganzen Eide liegt auch ein unwürdiger Antropomorphis-mus zum Grunde."
3. Wolf meint, bei'm Eide leiste man auf alle Gnade Verzicht,und wolle lediglich nach der Strenge der Gerechtigkeit von Gottbebandclt werden; denn der Eid sey eine an Gott gerichtete Her-ausforderung, die ihm die vorher gar nicht da gewesene Nothwen-digkeit auflege, den Schwörenden nach einer ganz andern Regelund ohne alle Schonung zu behandeln.
4. Michaelis behauptet, der Eid sey ein ausdrückliches, zwi-schen dem Schwörenden und Adjuranten errichtetes Paktum, einVertrag, vermöge dessen sich jener der Wahrheit gemäß erklärensolle, und dessen Garantie Gott übertragen werde.
5. Andere stellen sogar den empörenden Satz auf: „Die höch-sten Gründe zur Wahrhaftigkeit sind gar nicht in der Religion ent-halten; die Tugend der Wahrhaftigkeit wird vielmehr in eben demGrade minder vollkommen, in welchem man religiöser Beweggrün-de dabei bedarf, und daher schadet der Eid gewöhnlich der wahrenmoralischen Wahrhaftigkeit."
6. Wieder Andere sagen: „Insgemein halten die Gelehrten da,für, daß der Schwörende Gott zum Zeugen seiner Wahrheitsliebeund Redlichkeit aufruft. Aber, wie kann, soll Gott in dem Zeit-punkte, in welchem ich mich auf ihn berufe, Zcuguiß von der Rich-tigkeit meiner Aussage oder von der Redlichkeit meines Versprechensgeben? Etwa durch augenblickliche Bestrafung des Meineides? Al-lein diese trifft nicht ein, wie es die Erfahrung lehrt. Wie kannGott ein auffallendes Zcngniß geben, ohne Wunder zu wirken?Darf man aber so leicht von Gott Wundcrzeichen begehren? Sollman sic erwarten? Sieht man sie eintreffcn? lind dieß müßte dochgeschehen, wenn die Berufung auf Gott, als unbetrüglichen Zeugen,Ruhe und Versicherung bei dem bewirken sollte, dem wir schwören."
7. Döderlein sagt: „Der Schwörende wird gleichsam der Re-präsentant Gottes, und soll nun sprechen, wie Gott in dem gege-benen Falle sprechen würde." —
Was sollen wir denn nun vom Eide halten? Worin bestehteigentlich die Wesenheit des Eides?
Antwort: 1. Der Schwörende legt ei» öffentliches Bekennt-niß ab, daß er von der Oberherrschaft, Allwissenheit, Wahrhaftig-keit und Gerechtigkeit-Lottes überzeugt ist.
2. Der Schwörende legt ein feierliches Bekenntniß ab, daß er, gerade jetzt an diese Vollkommenheiten Gottes denkt, und sich die-selben als die höchsten Beweggründe, sich nach der Wahrheitzu erklären, wirklich vorstellt.