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Handbuch der Philosophie :
(der Logik, Metaphysik, Moral- und Rechtsphilosophie)
Entstehung
Seite
349
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bitten; so lernen wir ihren Werl- »nebr kennen und inniger fühlen,je länger wir um dieselben bitten. Das Gebet ist also eine Aenßerung^ unserer Tugend und Gottseligkeit, und wirkt wohlthätig darauf zu-rück. Alle Einwendungen gegen das Gebet beruhen auf unrichtigenVoraussetzungen. So wird )) Gott nicht verändert durch dieErhöruug des Gebets, weil er schon von Ewigkeit her auf die vorher-gesehencn Gebete der Menschen weise und unveränderliche Rücksichtgenommen, und den Lauf der Dinge gleich so bestimmt hat, wie erohne die vorhergesehene Erfüllung jener Bedingung ihn nicht bestimmthaben würde. 2) Es ist auf diese Art Gottes höchst würdig, zwarnicht bloß der geschehenen Bitte wegen, aber doch, außer ander»Gründen, auch wegen der Bitte, wegen der erfüllten nothwendigc»Bedingung etwas zu bewilligen. 3) Gott handelt gegen Jene, wel-che die geforderte Bedingung nickt erfüllen, nicht ungerecht, wenn er' ihnen das an die Bedingung Geknüpfte nicht gewährt. Uebrigensgibt Gott jedem, der thut, was an ihm ist, die Gnade, das, waser thun soll, also auch die Pflicht des Gebets zu erkennen. 4) Wersein Gebet gut einrichtet, kann weder ein Schwärmer, noch ein Un-gläubiger werden. Man fliehe mir alle Jrrthümcr und Mißbräuche,die in Beziehung auf das Gebet stattfinden können.. 5) Eine mit Er-gebung in den göttlichen Willen geäußerte Bitte bleibt eine wahreBitte. Tenn bei'm Gebete bin ich so gcsinnct:Zwar bin ich mitAllem zufrieden , was Gott tbut und zuläßt; aber, da er das Gebet! zur Bedingung gewisser Gnaden gemacht bat; so will ich diese Bedin-gung erfüllen. Ist denn gerade dasjenige, was ich bitte, nicht mitdem Plane Gottes vcrcinbarlich (was ich nicht weiß); so beruhige ichmich bei der Nichterbörung, und werde auch durch dieses so beschaffe,»e Gebet besser, ruhiger, und selbst anderer Gnaden fähiger." 0) Ausallem diesen folgt, daß dem Bittgebete lauter würdige Borstellungenzum Grunde liegen.

Dritter Abschnitt.

wie sich die Achtung und Liebe gegen Gott in Rücksichtauf unsere Bestrebungen (Handlungen) beweisen müsse.

Sic muß sich durch willigen, allgemeinen Gehorsam gegendie Gesetze und Anordnungen Gottes, durch wirksame Bestimmungunseres Selbstes zu einem Gott wohlgefälligen Gebrauche aus Aner-kennung und Liebe der Oberherrschaft Gottes (zur Selbstaufopfe-rung), so wie durch äußere Religion und durch thätige Ach-tung und Liebe gegen die (abgeleitete) Menschcnvernunft (durchMenschenachtung und Menschenliebe) beweisen. Alle diesePunkte werden in der Religionslehre auseinander gesetzt. Hier sol-len nur noch die Einwendungen gegen eine (nicht gebotene) außer-ordentliche Art der Selbstaufopferung (gegen das Gelübd), undgegen eine außerordentliche, außergewöhnliche Art der äußern Re-ligion (gegen den Cid) widerlegt werden.