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mn alle Gemüthsruhe nnd Religiosität gebracht, und in Unglaubenund Verzweiflung gestürzt werden würde.
3. Aber gesetzt auch. Mancher studire ein solches System,worin bündige metaphysische Beweise geführt werden; hat er abernicht die Fähigkeit, die metaphysischen Beweise (wozuso viel Scharfsinn, so viel Uebung und so mannigfache Vorkennt-nisse gehören) ganz zn durchdringcn, zu erfassen, und ihre Be-weiskraft zu empfinden, muß er sich also mit physischen undmoralischen Beweisen begnügen: welche Verwirrung wird da inalle seine Vorstellungen kommen, da er nach metaphysischen Bewei-sen ringt, und sie nicht erreichen kann, und doch nur durch meta-physische Beweise sich beruhigen lassen will?
4. Hat er aber auch zn metaphysischen Beweisen Scharfblickdes Geistes genug; will er jedoch nicht eher den religiösen Geist insich aufkommen lassen, als bis er Alles auf philosophischem Wegeerkannt hat: so geräth er auch hier (abgesehen davon, daß er sün-digt) in die größte Gefahr, in Irreligiosität, in Unglauben undScepticismus zu versinken. Denn bei dem ewigen, ewigen Spekn-liren, Analysircn, Zergliedern verfliegt der Geist; bei dem ewigenForschen über so manche Dunkelheiten, die für endliche Wesen noth-wendig uni die höchsten Wahrheiten ansgcbreitet liegen, verschwin-det endlich alles Licht, und Nacht umfängt den bangen Geist.
Wer also die Gewißheit, welche er bat, verschmähet, und diean jene Gewißheit sich anschließenden Pflichten des Gebets, desVertrauens, der Liebe, des himmlischen Sinnes ... so lange hint-ansetzt, bis er auf philosophischem Wege die Wahrheit gefunden ha-ben wird, der besteigt ein gebrechliches Fahrzeug auf einem höchststürmischen und klippcnvollc» Meere, und ist jeden Augenblick inGefahr, in's Meer geschleudert zn werden, nnd in den ihn ver-schlingenden Fluthcn sein Grab zu finden.
Hieraus ergibt sich die wichtige Pflicht für den Philosophicstu-direnden: „Als Philosoph mußt du freilich nicht eher ruhen, bis dudie letzten Gründe der Erkenntnisse (so viel möglich) erforscht hast;aber, während du als Philosoph forschest und suchst, darfst du alsMensch (und selbst als Philosoph, der dasjenige, was er hat, red-lich gebrauchen muß) vor allen nicht die schon früher auf andermWege erkannte Wahrheit und die daraus hcrvorgehendcn Pflichtender Liebe und Furcht Gottes versäumen; du mußt vielmehr mit de-sto größerm Eifer deine Pflichten erfüllen und zum Vater alles Lich-tes um Erleuchtung flehen, je größer die Gefahr ist, daß du imphilosophischen Forschen die Wahrheit nicht findest, und allmähligdurch das Schwanken zwischen entgegengesetzten Philosophcmen inZweifclsucht und Unglauben verfallest."
§. 85.
Antwort auf die zweite Frage.
Hat sich ein Philosoph auf philosophischem Wege eine zuvcr-