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Handbuch der Philosophie :
(der Logik, Metaphysik, Moral- und Rechtsphilosophie)
Entstehung
Seite
346
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Die Achtung und Liebe sind also in folgenden dreiStücken einstimmig: 1. Sie sind beide Gefükle des Wohlge-fallens; 2. sie setzen beide eine Erkenntniß (der Würde und Voll-kommenheit) voraus nnd befördern diese Kcmitniß mehr und mehr;3. sie bringen beide ihnen angemessene Witteusbcstiinmuiigen undHandlungen hervor. Es fragt sich also hier: Wie soll sich dieAchtung und Liebe Gottes I. in Rücksicht auf unsere Erkenntnis-se, II. in Rücksicht auf unsere Gefühle, III. in Rücksicht auf un-sere Bestrebungen, Handlungen beweisen ?

Erster Abschnitt.

rvie sich die Achtung und Liebe gegen Gott in Rücksichtauf unsere Erkenntnisse beweisen müsse.

§. 83 .

Zwei Hauptfragen.

Die Achtung und Liebe gegen Gott treibt unS zum eifrigen,unermüdetcn Streben, Gott immer besser kennen zu lernen,unserer Erkenntniß Gottes alle Wahrheit und Gewißheit, alle Deut-lichkeit und Vollständigkeit, alle Lebhaftigkeit und Kraft zu geben, unddie zu diesem Zwecke tauglichen Mittel (Vernunft nnd Offenbarung)gewissenhaft zu benutzen. Hier dringen sich dem Philosophen folgendeFragen auf: 1.Darf Jemand, z. B. der angehende Philosoph, allebis dahin empfangenen und erworbenen Kenntnisse über Gott so langean die Seite setzen und den Glauben in sich unterdrücken, bis erdurch mühsames Selbststudium eine ganz philosophische Uebcrzcugunggewonnen hat?" 2.Ist auch der Philosoph, welcher sich auf pbilv-sophischem Wege eine zuverlässige Erkenntniß erworben hat, strengeverpflichtet, sich an die Offenbarung zu halten., und derselben unbe-dingt zu glauben?"

§. 84 .

Antwort auf die erste Frage.

1. Gewißheit, wenn sie auch keine Evidenz, ja wenn sicauch keine absolute, sondern nur respektive Gewißheit ist, istdoch Gewißheit; ist also schon hinreichend, die Pflicht, Gott zu lie-ben .. ., zu begründen. Wollte nun Jemand diese Pflicht so lan-ge versäumen, "bis er das große Gebiet der Philosophie durchwan-dert, unzählig viele und schwere Untersuchungen angcstellt, und nachlanger Zeit die gesuchten Gründe gefunden hätte; so würde er fürdiese ganze, lange Zeit die früher gewiß anerkanntePflicht verletzen, also gewissenlos, pflichtwidrig Handel».

2. Es gibt der philosophischen Systeme so viele, so einanderwidersprechende, nnd in ihrenResultaten mitunter so trost-lose, daß, wenn Jemand unglücklich genug wäre, irgend einemso trostlosen Systeme (z. B. demjenigen, dessen Resultat Pantheis-mus, Idealismus ... ist) sich hinzugeben, er um alles Gcistcslicht,