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Handbuch der Philosophie :
(der Logik, Metaphysik, Moral- und Rechtsphilosophie)
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Seite
342
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Daher heißt auch der fortdauernde Zustand, worin man zur Er-reichung seiner Bestimmung untauglich ist, und kein Mittel hat,auf einem andern Wege diese Untauglichkeit zu heben, ein sünd-hafter, fehlerhafter Zustand, eine Sünde. Rührt derMangel des Mittels zu unserm letzten Ziele (die Abweichung vonunserer moralischen Bestimmung von unserer (persönliche») Freiheither; so beißt diese Sünde persönliche Sünde, oder Sünde imallerengsten Sinnt. Diese ist also eine freithatige Abweichung vomSittengesetze. Da jedes Sittengesetz zugleich ein göttliches ist, soist die Sünde eine freie Handlung oder Unterlassung, die einemgöttlichen besetze widerstreitet. Das Wessen der Sünde besteht alsoin dem freitbätigen Widerstreite einer Handlung oder Unterlassungmit dem Sittengcsctze (mit dem gesetzgebenden Willen Gottes).

§. 77.

Möglichkeitsgrüude.

Die Sünde ist nur in einem endlichen, in Erkenntniß undWillenskraft beschränkten Wesen möglich, weil nur in einem Endlicheneine unordentliche Liebe eines Etwas denkbar ist. Ein end-liches Wesen (überhaupt) kann nämlich, statt die Urvcrnnnft (Gort)über alles zu lieben »nd zu achten, freithätig die Aufmerksamkeitauf etwas Endliches richten, und irgend ein endliches Gut un-ordentlich lieben, oder ein endliches Uebel (z. B. die Beschwerde,die mit der Selbstbildnng verbunden ist) unordentlich verabscheuen.Das endliche unordentlich geliebte Gut ist entweder 1. das per-sönliche Ich, insofern nämlich ein Wesen sein Ich allem an-dern vorzieht (obgleich doch nur das Absolute, Gott, allem an-dern vorzuziehen ist), insofern also ein Wesen sich dem Stolze,dem Hochmuthe und den damit verbundenen Leidenschaften (z. B.dem Ehrgeize, dem Neide . .) überläßt; oder das endliche, unor-dentlich geliebte Gut ist etwas von dem Ich Verschiedenes, welchesin Beziehung auf das Ich entweder ein Lustgut oder ein Mittelzu einer Lust, also ein Nutzgut ist. In "dieser letzten Hinsicht'ist die unordentliche Liebe eines endlichen Gutes Lu st sucht (diesich auf körperliche oder geistige Lust oder auf beide zugleich be-zieht) und die Sucht nach den Mitteln zur Lust überhaupt, oder«t einer bestimmten insbesondere (z. B. Geiz, Herrschsucht . . .).Nennet man nun die unordentliche Verabscheuung eines Ucbels,einer Beschwerde, die mit der Erfüllung eines Sittcngcsetzes ver-bunden ist, Trägheit; so ergeben sich drei Quellen, worausdie Sünden entspringen können, nämlich: 1. Stolz, 2. Lustsucht,3. Trägheit, welche drei zusammen die Selbstsucht ausmachcn.

Wenden wir das Gesagte insbesondere auf den Menschen an;so sehen wir, daß ihn nicht bloß Stolz, so wie die Sucht nachgei-stiger Lust und die Trägheit (welche drei Stücke auch bei kör-perlosen Geistern stattfinden können), sondern auch noch die Suchtnach körperliche» Genüssen, also die Wollust im weitestenSinne des Worts und das, was diese Lust gewährt (mittel-