*** Gott, der unendlich Vollkommene, unendlich Selige, unendlich Hei-lige (dnS reale, cnstirende Ideal aller Vollkommenheit, Seligkeit,Heiligkeit) ist also die unendliche, vollkommenste, unbedingteste Würde,an sich sowohl, als in Beziehung auf uns.
§. 75.
Ist die Würde der Tugend absolut.
Kant sagt: „Wenn man den Tugcndhandlungen nur eine re-lative Würde cinräumte, so sagte man der Tugend gleichsam in'sGesicht, daß es nicht ihre Schönheit (ihre absolute Würde),sondern nnr der North eil sey, der sie uns liebenswürdig ma-che." — Freilich sollen wir tugendhaft seyn, aus Achtung, Liebeder Vernunft, ohne Rücksicht auf angenehme oder unangenehmeFolgen; insofern hat also die Tugend einen absoluten Wertb,eine Würde, und darf nicht zum bloßen Mittel des Wohlbefin-dens herabgewürdigt werden; aber nicht in dem Sinne kannman der Tugend eine absolute Würde beilegen, alswenn sie das wahrhaft Absolute, das unbedingt Eristirendc,und unser letztes Ziel wäre. Wäre es nicht eine die Tugendvergötternde Sprache: „Tu, o Tugend, deine liebenswürdigsteSchönheit, nicht Gott, der Unendliche, ist mein höchstes Ziel,worin ich völlige Ruhe und Seligkeit finde; vor dir beuge ichmeine ätnicc, und, wenn ich sie auch vor Gott beuge, so thueich dieses nur deinetwegen, deiner Schönheit wegen, zu deren Er-strebung ich seines Beistandes bei der Ueberwindung der Hinder-nisse bedarf." —
Tic menschliche Tugend bezieht sich auf das Absolute, bestehtin der Liebe der Vernunft, l. der Urvernunft, vollkommenstenVernunft, welche sie selbst nicht ist, 2. der menschlichenVernunft. Nur die göttlickw Tugend oder vielmehr Heiligkeit istGott selbst (der mit unendlicher Freiheit das Absolute liebt, undselbst das Absolute ist); nur die göttliche Heiligkeit ist al-so in jeder Hinsicht die absolute. Würde. Unsere Tu-gend ist in diesem Leben die noch unvollkommene (Erkenntlichund) Liebe Gottes (also auch alles desjenigen, was mit Gottin Verbindung steht), und bewirkt schon jetzt eine hohe Freude,Glückseligkeit. Im andern Leben ist unsere Anschauung undLiebe Gottes vollkommen, unb ist Tugend und Seligkeit,Glückseligkeit zugleich: Tugend, weil Liebe, sogar vollkom-mene Liebe Gottes; Seligkeit, weil Freude, die vollkommesteFreude an Gott. So ist also nur Gott der höchste, letzte, da-her absolute Zweck aller vernünftigen Wesen.
2. Von der Sünde.
Z. 76.
Sünde, Fehler, Gebrechen, Mangel in der allcrweitestenBedeutung ist der Abgang des Mittels zum Zwecke. MoralischerFehler, moralische Sünde ist der Abgang des Mittels zumSittlichkeitszwcckc, die Abweichung von der moralischen Bestimmung.