340
Form, der Gesinnung nach nur Eine Tugend gibt, weil nämlichder Wille, pflichtmäßig zu bandeln, bei jeder (wenigstens schweren)Pflicht sich äußern muß, also überall derselbe Wille ist. In Rück,sicht ans die Materie aber, auf die einzelnen objektiven Pflich-ten, wobei sich jener Wille äußern muß, unterscheidet man ver-schiedene Tilgenden. — Daß es verschiedene Grade der Tilgendgibt, ist eben so einleuchtend. Denn die Tugend wächst au Größe ^(intensiver und extensiver), je reiner sie 1. in ihrer Quelle, inihren Beweggründen, 2. je aus gebreiteter sie in ihren Wirkun-gen, 3. je länger, 4. je kräftiger und bereitwilliger sicthätig ist.
8. 74. !
Würde.
Wenn ein Ding ein bestimmtes Verbältuiß der Größe seines ^innern Wertstes zu dem inner» Wcrthe eines andern hat; so kann !
durch den innern Werth einer andern Sache, wie durch ein Maaß, !
der Preis desselben bestimmt werden. Für die eine Sache kannalso dann die andere, die eine gleiche Brauchbarkeit als Mittelzum Zwecke hat, ausgetauscht, oder statt dieser Sache eiu be-stimmtes Anderes (welches ihr gleichgeschätzt ist) gegeben werden. —
Ist aber ein Ding von der Art, daß es rücksichtlich seines innernWerthes mit keinem andern in einem bestimmten Verhältnisse stehenkann; so hat dieses Wesen in Rücksicht auf alle andere keinen Preis, isondern Würde. Diese ist dreifach: metaphysisch (wesentlich),physisch und moralisch. So hat der Mensch seinem Wesennach eine metaphysische (unverlierbare) Würde, weil er vcrnnnf- ,tig, der Seligkeit fähig, nicht als bloßes Mittel für andere Dinge,sondern als Selbstzweck, erhaben über alle Sacken, alle bloßeMittel für andere Subjekte ist. Die physische Glückseligkeit desMenschen, jener Zustand, worin er mit Selbstbcwnßtseyn einefortdauernde Freude empfindet, ist über das Wohlscyn der Thiere, idie ohne Sclbstbewußtseyn ein Vergnügen empfinden, so erhaben, ^daß beide in kein Verhältnis gesetzt werden können. Also die Glück- jseligkeit des Menschen hatin dieser Hinsicht eine physische Würde.
Die moralische Würde besteht darin, daß ein vernünftiges,freies Wesen sich selbst bestimmt zu sittliche» Handlungen, Selbst-,urbcber derselben ist, daher ganz erhaben über alle jene lebloseoder doch unvernünftige Dinge, welche von Außen bestimmt >
werden. !
* Die Handlungen der Geschicklichkeit, des Fleißes baden, inso-fern sie nicht aus freitbatiger Achtung und Liebe der Vernunft ent-springen, insofern sie also nicht sittlich sind, keine moralische Würde, >sondern nur einen physischen innern Wcrrh, der seines gleichen haben 'kann, also einen Preis (Marktpreis). !
^ Wenn ein Zweck andern Zwecken von höherer Ordnung widerstreitet,so hat derselbe offenbar keine Würde. So bat aucb nicht derjenige ^Zweck, welcher wieder einem andern untergeordnet ist, die absolute ^
Würde, welche offenbar nur dem allerhöchsten, allerlettten' Zweckeeigen ist. i