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stanz ist?" So auch: „Was ist denn dasjenige, wovon ich wollen ikann, daß alle Menschen so handeln? Welches ist der Grund,aus dem ich einsehe, daß ich und alle Menschen so handeln sol- !len?" So sind ja die Pflichten gegen uns seldst deswegen allge- 'meine, jeden Menschen verbindende Pflichten, weil der Grunddieser Pflichten bei allen Menschen sich vorfiiidct; aber sie sindnicht deswegen Pflichten gegen uns selbst, weil sic allen Menschengemeinschaftlich sind. Das genannte Moralprincip ist also, weiles weder das Was, noch das Warum der sittlichen Handlungen sausdrückt, sondern nur das Wie, kein Moralprincip, sondern !nur ein Criterium der sittlichen Handlungen.
8. 16. I
II. „Handle stets so, daß du die Menschheit sowohl in ^deiner eigenen, als in jeder andern Person nie als >bloßes Mittel, sondern jederzeit zugleich als Zweck ,
gebrauchest." j
Dieser Satz drückt weder das Was, noch das Warum, so»- !dem nur das Wie einiger sittlichen Handlungen aus, ist alsofür einige sittliche Handlungen ein Criterium. Wie mancher 'Mißdeutung ist zugleich dieses Criterium prcisgegcben! Wie leicht >kann uns da der Mensch als Selbstzweck, als der Mittelpunkt er- ^scheinen, um welchen sich alles drehen soll, da doch nur das Ab- isolnte (Gott) dieser Mittelpunkt seyn darf! Wie will man bloß :durch dieses Criterium die Pflicht erkennen, für die Wahrheit undTugend (wo es noth thut) selbst das ?eben hinzugeben? Wenn ichSelbstzweck bin, so muß mir an meiner Erhaltung alles, dabcrmehr, als an der Wahrheit und Tugend, gelegen seyn. Wiewill man bloß durch dieses Criterium die Pflichten gegen Gott er-kennen? Oder sollen sie etwa nur Selbstpflichten seyn, bloß we- >gen unserer Person Berücksichtigung verdieneil?
§. 17. !
III. „Der vernünftige Wille lasse sich durch nichts außer !ihm, durch gar keinen Reiz, durch kein Objekt be- ^stimmen, sondern gebe sich selbst Gesetze, und handle !so seiner Würde, seiner Unabhängigkeit von Allein,
was nicht er ist, gemäß."
Erster Sinn dieses SatzeS: „Sey frei, bestimme dichselbst. Ohne Freiheit (ohne Selbstbestimmung) gibt cs keinSittlichgutes, kein Sittlichböses." Das ist ein theoretischer Satz.
Zweiter Sinn: „Wolle etwas ohne Grund, ohne Objekt."Dieses ist etwas Unvernünftiges, etwas Unmögliches.
Dritter Sinn:,„Die Sinnenreize sollen dich nicht bestim-men, du sollst dich nicht freithätig nach den Sinnenreizen bestim-men." Freilich soll man sich nicht bloß nach den Sinnenreizenbestimmen; aber soll man selbst in dem Falle, wo die Vernunftdamit harmonirt, den Sinnenreiz als etwas Unsittliches verwerfe»