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hier durchaus nicht erforderlich, erst alle einzelnen sittlichen Hand-lungen (z. B. rücksichtlich der Sorge für den Körper, für die Ehre,für das Vermögen, für die Aufklärung des Verstandes . . . .)wissenschaftlich oder unwissenschaftlich zu erkennen. Ans dem Gan-zen folgt nur, daß es irgend eine Sittlichkeit, und eine Erkennt-„iß derselben gibt schon vor dein Gedanken an Gott, vor der Er-kenntniß Gottes. Diese Sittlichkeit besteht nämlich in der Achtungund Liebe der (menschlichen) Vernunft überhaupt. Irgend eineVorstellung von Sittlichkeit habe ick also schon, wenn ick eine Vor-stellung (klare, deutliche, oder auch nur undeutliche Vorstellung)von dieser Achtung der Vernunft habe. Dann bin ich schon imStaude, die Heiligkeit . . . Gottes zu erkennen, ohne daß ickerst alle die einzelnen sittlich guten Handlungen wissenschaftlich er-kenne, welche sich aus jener Achtung der Vernunft ablciten lassen.
2. Obgleich man nun aber eine vollständige Wissenschaft derPflichten gegen uns und andere Menschen . . . aus dem beschränk-te» Principe: „Achte die Würde der menschlichen Vernunft"ableitcn, und dann die Lehre über die Pflichten gegen Gott (dieReligionsphilosophie) daraus folgen lassen kann: so streiten dochfolgende Gründe gegen diese Dcrfahrungsweisc: I. Die Moralphi,losopbie soll als wahre Wissenschaft nicht irgend einen besonder»Grad, irgend ein Theilchen der Sittlichkeit unserer Hand-lungen, sondern jeden Thcil, das Ganze, das Vollkommenes dasAbsolute der Sittlichkeit zum Gegenstände haben; sie darf alsonickt bei der Lebre über die Achtung der menschlichen (der ab-geleiteten) Verminst, und über den hieraus hervorgebendenGrad der Sittlichkeit einzelner Handlungen sieben bleiben/sondernmnß sich zur Urvcrnunft, zu dem Urgründe aller abgeleitetenVernunft erbeben, und so auch jene Sittlichkeit darstelleu, welchebei den Handlungen aus Achtung der menschlichen Vernunft zu-gleich ans der Achtung der Urvernunst (aus der Liebe Gottes) ent-springt, und selbst diesen Handlungen dadurch die höchste Wurde,die höchste Sittlichkeit gewährt.
* Betrachten wir alles dieses noch von einer andern Seite. Je reiner,von dem Lonkreten abgesonderter, ein Satz ist, desto philosophischer,desto allgemeiner, und für das Ganze der Wissenschaft brauchbarer undnotbwcndiger ist er, wenn er als oberster Grundsatz gelten soll. DerSa» aber: „Achte die Würde der Vernunft" (sowohl der Urvernunt,als der abgeleitete» menschlichen) ist aber offenbar reiner, allgemeines!-,als der Say: „Achte die Würde der Menschenvernunsr." Wenn alsojener allgemeinere an die Spitze der Mvralphilosophie gestellt werdenmuß; so ist es auch klar, daß zur Vollständigkeit der Ableitung allereinzelnen allgemeinen sittlichen Handlungen auch die Darstellung dersittlichen Handlungen gegen Gort in die Mvralphilosophie ausgenom-men werden muß, und ihr nicht nachgeschickt werden darf.
II. Auch unsere frcithätigen Handlungen, die sich unmittelbarauf Gott beziehen, unsere Pflichten gegen Gott sind sittliche Hand-lungen (obgleich von einer besonder» Art, so wie auch diePflichten in Beziehung auf die Würde unserer und anderer Men-schen Vernunft sittliche Handlungen von einer besondcrn Art sind).
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