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Gott durch seine übernatürliche Einwirkung auf den Geist des Men-schen die Kräfte desselben so erhöbe, entwickele, ergänze, daß sich(bei gehöriger Mitwirkung der Menschen) die znm festen Glaubena priori erforderlichen Kenntnisse entwickeln, daß also der gesundeMenschenverstand zur Anerkennung der von der Offenbarung vor-ausgesetzten Wahrheiten leicht gelange, so wie sogar ein Mensch denandern so anleiten, unterrichten, erziehen kann, daß er (ohne philo-sophische Beweise) durch den allgemeinen Menschensinn die Lehre»der natürlichen Religion (der Vernunftreligion) fassen und festhal-ten kann. Siche Stattler's Religionspbilosophic S. 180-183.
Aus dem bisher Erwiesenen muß offenbar einiges Licht fallenauf die Streitfrage: „Gibt cs eine bloß natürliche Reli-gion (die der geoffenbarten vorhergeht und dieselbe begleitet)"?
Einige sagen: „Nur in diesem Sinne kann cs eine Vernunft-religion geben: Die unmittelbaren ursprünglichen Offenbarun-gen Gottes sind für uns, die wir sie aus menschlichem Un-terrichte, also nicht aus nnmittelbarer Offenbarung, haben, unddurch eigene Reflexion ausbilden, im Gegensätze zu den späten« Of-fenbarungen als Vcrnunstreligion zu betrachten (wiewohl siean sich mit der Offenbarung in Ein's zusammcnfallen). Denn wo-her sollten die ersten Menschen die ursprüngliche Religion (die Ideen„Gott", Tugend" . . .) anders hernchmen, als aus göttlicher Of-fenbarung? Die Offenbarung ist ja der Vernunft, was dieäußere Natur dem Verstände ist. So wie diese dem Verständeden Stoff zu seinen Begriffen liefert, so schafft die Offenbarungden Inhalt für die Vernunftideen. Die Vernunft ist weiter nichts,als das Vermögen, durch das Göttliche afficirt zu werden.
* Warum sollte aber die Vernunft nachher nicht Manches von den geof-fenbarten Lehren als etwas mit den Vernunftprincipien im nothwendi-gen Zusammenhänge Stehendes, also auch durch den bloßen Vernunfr-äebrauch Erkennbares auffinden, und nachher wissenschaftlich für sich be-handeln, so daß dann die andere, noch nicht durch die Menschenvernunfterkennbaren Offenbarungslehren als material und formal geof-fenbarte Lehren, hinzugefügt werden?
Andere sagen: „Erst muß die Vernunftreligion vorhcrgehen;dann erst kann die geoffenbarte Religion sich daran knüpfen . . ."
Die Wahrheit liegt in derMitte. Obgleich nämlich! dieGeschichte lehrt, daß schon den ersten Menschen eine Offenbarung ge-worden ist, daß es also nie eine bloße Vernunftreliaionauf Erden gegeben hat: so lehrt doch die Vernunft und die Of-fenbarung auch, daß eine Vernunftreligion, eine aus Veruunfk-principien abgeleitete Erkenntniß Gottes (in dem Falle, wo die Ver-nunft durch die Offenbarung schon entwickelt ist).wirklich möglich ist;die Offenbarung sagt ausdrücklich, daß die Vernunft Gott aus de»Werken Gottes so zu erkennen vermöge, daß die Heiden, welche ihnnicht kennen, gar nicht zu entschuldigen seyn. Mithin ist die Lehre,daß auch die Vernunft durch die Anwendung ihrer Principien zur