Druckschrift 
Handbuch der Philosophie :
(der Logik, Metaphysik, Moral- und Rechtsphilosophie)
Entstehung
Seite
287
Einzelbild herunterladen
 

S87

unmittelbar den edelsten, höchsten Zweck zu habe». Mancheskann ja als untergeordnetes Mittel zu irgend einem geringemZwecke dienen, welcher Zweck aber mittelbar zu einem hohem, zudem letzten Zwecke führt. Der letzte Zweck des sehr weisen Künst-lers ist unstreitig das höchst mögliche wahre Gut.

Dieses vorausgesetzt, ist es offenbar: Gott, der Unendliche,kann zum letzten Ziele der Schöpfung nichts Anderes haben, alssich selbst, als das Unendliche, zwar nicht als ein ihm zu-wachsendes Gut, weil er ja unveränderlich, unendlich ist; sondernals das höchste wahre Gut der erschaffenen vernünfti-gen Wesen. Es wäre Gottes, des Unendlichvollkommenen, un-würdig, bloß ein endliches, bedingtes, vergängliches Gut zum höch-sten Ziele seiner vernünftigen Geschöpfe zu machen, und so bloßwegen eincö endlichen, bedingte», vergänglichen Gutes zu handeln.Er selbst also, der Unendliche, ist das höchste und letzte Ziel allervernünftigen Wesen. Insofern wir nun Gott freithätig erkennenund lieben, und dieser Liebe gemäß handeln, sind wir tugendhaft;insofern wir durch die Erkenntniß und Liebe Gottes erfreuet undberuhigt werden, sind wir glückselig; insofern wir einst Gottvon Angesicht zu Angesicht schauen, ihn vollkommen erkennen undlieben, und so an Gott die vollkommenste, reinste, ewig dauerndeFreude haben, sind wir ewig selig; insofern wir die preiswürdi-gen Vollkommenheiten Gottes erkennen und anbcten, ehren undachten, befördern wir Gottes Ehre und Ruhm. Die Bestim,mung des Menschen ist also die Tugend, die Glückseligkeit,das ewige Heil, und die Ehre Gottes; aber im strengstenSinne ist doch weder die Tugend, noch die Glückseligkeit, noch derselige Zustand im andern Leben, noch die Ehre Gottes unser letz-tes Ziel, worin wir als dem Unendlichen, Reinen, Allvollkom-menen, die völligste und reinste Ruhe und Seligkeit finden; son-dern nur Gott, worauf sich unsere Tugend bezieht, nurGott, welcher der einzige Gegenstand der reinsten, ewigen Selig-keit ist, nur Gott, welchen unser Geist erkennet, ehrt, unddurch dessen Erkenntniß und Ehre wir erleuchtet und beseligt werden.

* Die vernunftlvsen Geschöpfe können den vernünftigen Geschöpfennur als Mittel zur Erreichung der Bestimmung derselben (also zur Er-nährung, Bekleidung, .... Hinweisung derselbe» auf Gott) dienen,und dabei für sich selbst einen geringen Grad von sinnlichem Wohlseynbaden.

** Diese Welt, als Mittel zum höchsten, lcyten Ziele der ver-nünftigen Wesen betrachtet, ist also (in dieser-Hinsicht) diezweck-mäßigste, vollkommenste; wiewohl sie an sich hätte vollkommener seynkönnen.

*** Vernunftwidrig ist die Behauptung:Auch im künftigen Leben wird,wie die Pflichterfüllung, so auch der Kampf immer fortdauern." Dennme Bestimmung des Menschen ist ein vollkommener, durch sortgesektenKampf errungener Sieg, der einen ewigen Frieden zur Folge hat.Endlich muß sich das physische Müssen und das moralische Sollenin einem freien Müssen verlieren. Nothwendigkeit und Freiheit inabsoluter Einheit ist das höchste und wahrhaft göttliche Ziel des Men-schen. Daher sagt auch das Cbristenthum:Selig sind, welche hun-