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Handbuch der Philosophie :
(der Logik, Metaphysik, Moral- und Rechtsphilosophie)
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Woher diese so allgemeine, so unwandelbare, so durch nichtszu erschütternde Erkenntniß von Gott? Eine fortdauernde, allge-meine, dnrch's ganze Menschengeschlecht sich hinzichendc Wirkungsetzt eine fortdauernde und allgemeine Ursache voraus,setzt die Wahrheit voraus: „Nichts Vorübergehendes, nichts durchmenschliche freiwillige Uebereinkunft Hervorgebrachtes kann die Ur-sache hievon scyn."

Aber welche ist denn diese Ursache?

§. 124.

Entweder ist die Erkenntniß Gottes durch die OffenbarungGottes gegeben (wie uns z. B. die Erkenntniß der Sonne durchdie Einwirkung der Sonne auf uns gegeben, möglich gemacht ist);oder sie geht aus dem Wesen der menschlichen Vernunfthervor; oder sie entsteht aus beiden Ursachen zugleich.Diese drei Punkte ziehen jetzt unsere Aufmerksamkeit auf sich.

§. 125.

1. Die Offenbarung Gottes, als die «Quelle unserer Er-

kenntnisse von Gott betrachtet.

Die Untersuchung über diese» Gegenstand zerfällt in zwei an-dere: 1. Kann Gott durch unmittelbare Einwirkung auf denmenschlichen Geist in demselben die Erkenntniß Gottes bewirken?

2. Kann Gott durch äußere, über die Natnr erhabeneWirkungen in dem Menschen die Erkenntniß GottcS bewirken?

§. 126.

Antwort.

1. Möglichkeit der Offenbarung, als einer Quelle derErkenntniß von Gott.

Gott, der Allmächtige, kann Beides, da Beides innerlichmöglich ist. Denn schon leblose Dinge, z. B. Bäume, Blumenköimen durch ihre Einwirkung auf uns nicht bloß von ihremTaseyn, sondern auch von ihrer Beschaffenheit, vonihren Eigenschaften, überzeugen, und doch wissen wir nicht,wie das zugeht. Wir sind völlig gewiß, daß hier ein Baum, undzwar ein Obstbaum, dort eine Blume, und zwar eine gefüllte Nel-ke, und zwar gerade diese steht. Aus allgemeinen Vernunftgründenwissen wir dieses nicht, sondern wir wissen es bloß durch die Ein-wirkung des Baumes und der Blume auf uns. — Aeltcrn kön-nen ihren Kindern, Freunde ihren Freunden nicht bloß ihr Da-seyn, sondern auch ihre Liebe, ihren Wunsch, die Kinder, dieFreunde wahrhaft glücklich z» machen, ihre gute, edle, von derGleichgültigkeit und dem (feindseligen Wesen eigenen) bösarti-gen Willen ganz entfernte Gesinnung so unzweideutig offen-baren, und zwar durch die faktische Einwirkung auf dieKinder, die Freunde (nicht durch geometrische Beweise), so daß dieKinder, die Freunde völlig überzeugt sind sowohl von der