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bald wir zum gehörigen Bcwnßtseyn kommen, das Vermögen, dieAufmerksamkeit zu unterbrechen und auf andere Dinge zu richten,oder sic fortzusctzen und mit aller Kraft gerade in dieser Richtungzu unterbalte». Wenn wir nun frcithätig unsere Aufmerksamkeitmehr auf die Beweggründe für eine Sache richten, als auf dieGründe dagegen, und daun frcithätig mit unserer ganzen Aufmerk-samkeit dabei verweilen; so werden wir freilich die Sache (und zwarjetzt nothweudig) wählen, aber das Ganze ist uns frei und iui-putabcl.
2. Bei uns endlichen Wesen sind Reize zum Wollen undAbreize vom Wollen (Beweggründe für und gegen eine Sache)als Bedingungen des Wollens und Nichtwollens noth-wcndig früher, als das Wollen und Nichtwollen selbst; daher sindauch die Vorstellungen, Begriffe der Beweggründe für — undder Reize gegen eine Sache eine nvthwendige Bedingung der Aeußc-rung nnsers freien Willens: aber daS nach diesen Bedingungenhandelnde, sich selbst bestimmende, wählende oder verwerfendePrincip sind wir selbst. Der Grund der Möglichkeit des Wol-lens und Nichtwollens sind also zwar die Beweggründe für —und gegen eine Sache; aber der Grund der Wirklichkeitgerade dieses bestimmten Wollens ist unser Wille selbst,oder vielmehr, damit wir nnsern Willen, der doch nur ein Ver-mögen ist, wie die Vernunft, nicht pcrsonificiren, jener hinrei-chende Grund sind wir selbst, der wollende Mensch. Durchdiese Wahrheit wird zugleich der Einwurf entkräftet: „Wenn derMensch frei wäre, daher nicht nothweudig dasjenige wählte, wasihm als ein größeres Gut erscheint: so gälte nicht mehr der allge-meine Grund>atz: Nichts ist ohne hinreichenden Grund." Denn derbiureichendc Grund der Möglichkeit unserer freien Willensbe-stimmung ist die Vorstellung der Beweggründe für und gegen eineSache; der hinreichende Grund der Wirklichkeit derselben sindwir selbst. Unser freie Wille hätte keinen hinreichenden Grund,wenn er mit einer vorhergehenden Nothwendigkeit durch die Vor-stellung eines größer» Beweggrundes bestimmt würde. Alle weitereFrage: „warum wählt der Mensch hier gerade das weniger lebhaftvorgcstcllte Gut, und uicht das andere?" fällt nun von selbstweg; denn die Antwort ist schon längst da: Weil der Menschfrei ist, aber nicht frei wäre, wenn er durch de» größer»Beweggrund bestimmt würde. Fragt map: „Wie ist unsere Freibcitmöglich"?, so ist keine andere Antwort hierauf möglich, als:„Daß ich wirklich frei bin, weiß ich, obgleich ich die Art,wie? nicht begreife, und die Weise, wie Gott die Eristcnz meinerFreiheit begründet hat, nicht ciusebe. Genug, Gott hat uns Da-scvn, Vernunft, Kraft gegeben, bat uns seines Seyns, seiner All-wissenheit und Allmacht thcilhaftig gemacht; warum se- te es ihmunmöglich scyn, uns zu Thcilnchmern (nicht zu Lhcilcn) seinerunendlich vollkommenen Freiheit zu machen in der einem Geschöpfezukommeudcn Unterordnung und Unvollkommenheit?