2. Insbesondere drückt sich das Bewußtseyn der Freiheit (nichteine bloße Vorstellung, die auch im Traume möglich ist) in derReue über eine sittlich böse Tbat, so wie in der Zufriedenheitund Freude über eine sittlich gute That aus. Wir betrüben unszwar auch über solche unangenehme Ereignisse (z. B. über die Krank-heit, den Tod unserer Freunde), welche ohne unsere Freiheit ein-! treffen; aber Reue (eine Traurigkeit, womit zugleich Gewissens-verwürfe, die Selbstverwcrfung, Selbstvcrdammnng verbunden sind)empfinden wir nur wegen Vergehungen, die von unserer Freiheit ab-bingen. So ist auch die Freude, die uns ohne unsere Freiheit (z. B.aus dem Anblicke einer schönen Gegend, aus einer von unfern Tbatcu,wobei wir nichts gedacht, keine Freiheit geäußert haben, und doch sebr^ nützlich für andere geworden ist) zu Theilc wird, eine ganz andere
! Freude, als die so überaus süße Freude über unsere kräftige, srci-
thätigc Besiegung sündlicher Versuchungen und über die freithätige,aus edlen Absichten hervorgehende Erfüllung unserer Pflichten.—
Ucberhaupt unterscheidet Jeder wohl das bl»ß Physische(nicht Freithätige) von dem Freithätigcn, Moralischen. Keinernennet den zündenden Blitz oder den ohne allen Einfluß seinesWillens Andere Verletzenden lasterhaft; Keiner nennt fruchtbare' Gärten oder den, ohne alle Ucbcrlegung zufällig etwas Gutes
^ thuenden leichtsinnigen tugendhaft. Jeder verlangt zur Tugend und
zum Laster Freiheit, die Abwesenheit einer zwingende« Noth-wcndigkcit.
§. 1 ) 0 .
Widerlegung der Einwendungen.
Iste Einw.: Unsere Begriffe kommen von unfern Empfindun-gen, unsere Entschlüsse aber von unfern Begriffen, und so ist dieganze Kette unserer Handlungen durch unsere physische Organisa-tion bestimmt.
Antw.: Unsere Seele erhält zwar von Außen Eindrücke, undist in dieser Hinsicht passiv, abhängig von den Eindrücken; abersie ist auch ein thätiges, prüfendes, vergleichendes, wollendes,zwischen den erkannten Dingen selbstthätig etwas auswählendes We-sen; sic hat sogar in Beziehung auf äußere Eindrücke mancheGewalt, kann einigen Eindrücken den Zugang wehren, kann einigeschwächen, verstärken; sie kann die Begriffe und Ur theilc be-richtigen, lebhafter und schwächer machen; kann selbst von demals ein wahres Gut richtig erkannten Dinge sich abwcnden, undso ihre Selbstkraft in der Bestimmung ihrer Handlungen zeigen . . .
Doch, um hier das Wahre vom Falschen ganz vollständig zuunterscheiden, ist es zweckmäßig, folgende einzelne Punkte zu be-merken :
1. Die erste Erweckung unserer Aufmerksamkeit durch Eindrückeist freilich noch kein Werk unserer Freiheit; die Erweckung istaber auch noch kein Zwang. Obgleich unsere Aufmerksamkeiterst unwillkührlich angeregt wird; so haben wir bald darauf, so-