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Handbuch der Philosophie :
(der Logik, Metaphysik, Moral- und Rechtsphilosophie)
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Seite
238
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läge, also ohne unser Bewußtsein, ohne die Zustimmung derWillens zu einem erkannten, durch's Bewußtscyn dargestelltenEtwas geschähe; so wäre dieser Akt keine solche Handlung, wozuwir selbst uns bestimmt habe», sondern eine nothwendige Hand-lung, und alle daraus nvthwendig folgenden Handlungen wärennns eben so wenig, als die erste, frxi, daher eben so wenig an-zurcchnen.

§. 109 .

Existenz der Freiheit.

1. Ob unsere Seele Freibcit habe, oder nicht, kann, wie jedesFaktum, nur durch die Erfahrung ausgemittclt werden. Bei eini-gen Handlungen, bei solchen nämlich, welche ohne gehörige lieber- 'lcgung geschehen, ja aller Vernunft- und Willensäußerung zu- !Vorkommen, sind wir uns freilich bewußt, daß wir gcnothigtworden sind, daß wir uns selbst nicht dazu bestimmt haben, son-dern bestimmet worden sind; wir sind uns aber auch deutlich be-wußt, daß wir zu vielen andern Handlungen, und zwar zu jedereinzeln Handlung insbesondere uns selbst bestimmt haben; daß wirdie Fähigkeit haben, zu überlegen und zu wählen; daß es z. B.in unserer Gewalt steht, zu reden und nicht zu reden. Andern ^beizusteben und nicht beizustehen, ein Geschäft zu verrichten und es !zu versäumen. Es ist eine unläugbare Thatsache unsers Bewußt-seins, daß keine Vorstellung, kein Beweggrund, kein Gefühl,keine Begierde, kein Gut, keine Neigung, kein Trieb der Artist, daß sie uns unwiderstehlich fortrissen und uns die freie Wahlzwischen zwei entgegengesetzten Handlungen unmöglich machten,daß wir unsere Aufmerksamkeit von den Beweggründen fürauf die Beweggründe gegen eine Handlung freithätig richten (undumgekehrt), und daß es unsere Selbstbestimmung ist, wenn wir sooder anders handeln. Wären wir uns bloß nicht bewußt, daß wirdurch irgend eine Nothwendigkcit getrieben würden; so wäre esnoch immer möglich, daß eine geheime, noch nicht in unser Be-wußtsein gekommene Notwendigkeit vorhanden wäre. Aber wirsind uns bewußt, daß wir selbst uns bestimmen, daßwir also nicht durch eine äußere oder innere Nothwen-digkcit bestimmt werden; daher ist nun eine zwingende Nvth- 'wcndigkcit unmöglich. Wir sind uns insbesondere bewußt, daßwir in jedem Zeitpunkte frei sind, uns zum Guten oder Bösenzu bestimmen; ja daß wir, wenn wir uns auch lange Zeit zu sitt-lich bösen Handlungen bestimmt haben, uns jetzt zu den ent-gegengesetzten Handlungen bestimmen können, daß alsokein früherer Akt der Sclbstbestimnumg zu irgend einer Handlungs-weise uns für immer die Nothwendigkcit auflegt, gerade so undnicht anders zu Handel». Dasjenige aber, dessen wir uns unmit-telbar bewußt sind, ist ganz gewiß, das Gcgcntheil ist unmöglich;Gott selbst kann nicht machen, daß ich mich einer Sache nicht be-wußt scy, dessen ich mir jetzt wirklich bewußt bin.