Druckschrift 
Handbuch der Philosophie :
(der Logik, Metaphysik, Moral- und Rechtsphilosophie)
Entstehung
Seite
234
Einzelbild herunterladen
 

234

PolaritätSvcrhältnissc finden nur zwischen den gleichartigenDingen statt, leiden aber keine Anwendung ans Naturen, diedem Wesen nach verschieden sind. Im Magnete ist Polarität, so wiein der Elektrizität, in den chemischen Verwandtschaften, unter dengleichartigen Organismen; aber daß Magnetismus und Elcktricität,oder daß chemische und organische Kräfte ein polares Verhältniß ha-ben, ist ganz uneigentlich gesprochen, und ein Zusammcnwerfcn ver-schiedenartiger Begriffe. Wenn aber das Ungleichartige nicht einmalin der Materie polarisirt wird; so wird man um so welliger erweisenkönnen, daß Materie und Geist entgegengesetzte Pole einer Substanzsind, die mithin an sich weder Geist, noch Materie wäre.

Den ersten Schritt zur Begriffsverwirrung that unsere neuestePhilosophie, als sie das Postulat aufstclltc, Subjekt jund Objekt, Geist nnd Materie, Bewußtes und Unbewußtes,Vernünftiges und Unvernünftiges seycn dem Wesen und der >Substanz nach ein's und dasselbe, scyen identisch. Was vondem BegriffeIch" gilt, das als Denkendes und Gedachtes ein's ist,trug man auf die Natur über, und postulirtc, das Universum scycin großes Ich, in zahllosen kleinern Ichheiten organisirt, die alleGrade des Bewußtscyns durchliefen, vom Nullpunkte an bis zu dem,auf welchem wir uns befinden. Die unendliche Kluft zwischen Be-wußtem und Unbewußtem, zwischen Geist und Materie, wollte man !durch das Einschieben von zahllosen Mittelgliedern ausfüllcn, un- 'beachtend, daß keine Transformation der Materie im Geiste denkbarist; was dem Wesen nach verschieden ist, durch bloße !Uebergänge nicht begreiflich gemacht werden kann, undnur durch einen schöpferischen Akt zu erklären ist. Um sich zu behelfen, ^nahm man Analogsten aus der Natur zu Hülfe, und bediente sich ver- !schiedencr dunkeln Kunstworte. Vor allein brauchte man die Polar,'- ^tät. Tie Naturphilosophien sagten:Die Natur dehnt sich in die ^Länge, in die Breite und in die Dicke, springt vom Gegensätze zum !Gegensätze, reflcctirt, potenzirt, individualisirt sich (cs kommt oft !auf ein glückliches Wort an), und cs gibt kein so wunderliches Ge-schöpf, welches sie, von Stufe zu Stufe springend, nicht glücklich er-reichen sollte. Sie war unorganisch; cs bedarf nur eines Sprun-ges, eines neuen Gegensatzes, und siche, sie ist organisch. Sic warPflanze; sie kehrt sich »m, und siehe, sie ist animalisch geworden.Sie ist animalisch; aber sie faßt sich noch einmal zusammen, und 'siehe, unser liebes Ich ist da. Die Natur steht endlich da, wo sie,ohne cs zu wissen, hinwollte; sic erkennt nunmehr sich selbst, wieam Tage ist.

Deutschland hat eine Naturkunde ausgcborcn, in deren Zwilichtealle Dinge in einander fließen, alle Grenzen sich verwischen. Jetzt ^wird uns gesagt, die Naturkräfte ohne Bcwußtseyn, ohne Verstandgehen dennoch sehr planmäßig zu Werke, und benehmen sich oft so klugund fein, daß die künstlichste Philosophie ihnen nicht nachkonstruirenkann. Indem u»serc Nachbaren in ihrer Atomistik befangen denGeist, das denkende Wesen, materialisiren wollten, gcriethen