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Handbuch der Philosophie :
(der Logik, Metaphysik, Moral- und Rechtsphilosophie)
Entstehung
Seite
216
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derte,r, veränderlichen Dingen war schon eine Zeit möglich,weil veränderliche Dinge möglich waren; die wirkliche Zeit fängterst mit dem Daseyu cmcr Veränderung, eines veränderlichen Din-ges an.

Daß wir also nichts Veränderliches denken können ebne Zeit, kommtnicht daher, als wenn unserErkenntnißverniögen eine solche Formhätte, so eingerichtet wäre; sondern daher, weil das Verän-derliche selbst (objektiv) nicht anders, als in einer Zeitmöglich ist. Hieraus erhellet auch, warum wir Gott, den >Unendlichen, nicht als ein in einer Zeit eristirendes >Wesen denken können; weil nämlich nur endliche Wese» ei- >nes Wechsels fähig sind, nicht das Unendliche, worin nichts ^Negatives (nichts Beschränkendes), daher nichts Veränderliches >iseyn kann, wo also die Zeit ein unmögliches Ding ist. Wäre aber stunser Erkenntnißverniögen so geformt, daß wir Alles, als etwas >in der Zeit eristirendes, denken müßten; so müßten wir auch Gottselbst als ein in der Zeit eristirendes Etwas denken. Man verwech-sele nicht die Dauer mit der Zeit. Manches dauert zwar in derZeit; aber eS gibt auch eine Dauer ohne Zeit, nämlich beiGott, dem Unveränderlichen. Diese Dauer ist die fort-gesetzte Existenz der Substanz, ohne daß die Substanzverändert wird.

Folgerungen.

1. Di« Zeit ist keine Substanz, sondern ein nothwendigesAttribut eines jeden veränderlichen Wesens.

2. Tic Zeit ist keine unendliche Größe, sondern hat einenAnfang. Denn eine unendliche Zeit, eine unendliche Zahl von Ent-stehungen, Wechseln in fortdauernden Dingen ist ein Widerspruch,indem zu jeder Zahl immer noch eine Einheit hinzugesehtwerden, also die Zahl nimmer unendlich seyn kann. Unter dem ^Ausdruckeunendliche Zeit" dürfen wir also nur eine unbc st i m m tlange Zeit verstehen, indem wir nicht wissen, wie weit neue Ent-stehungen in fortdauernden Dingen bis zu einem Anfänge hinaufmöglich sind. Der Satz:Unsere Seele wird ewig leben", beziehtsich ans die stete Fortdauer der Seele, die in der Zeit erschaf-fen, also nicht von Ewigkeit ist, daher ihre Veränderungen angc-fangen hat, und ihr Daseyn ohne jemalige Unterbrechung fort«setzen wird.

3. Nicht die Vorstellung vom wirklichen Daseyn der Zeit, son-

dern nur die Vorstellung der Möglichkeit des Daseyns der Zeitist nothwendig,'und liegt nicht nur allem wirklichen, sondern auchallem möglichen Daseyn unserer veränderlichen Vorstellungen zumGrunde; weil es unmöglich ist, Vorstellungen, die selbst wechseln,und einen Wechsel vorstellcn, zu haben oder zu denken, ohne unseine Zeit vorzustellcn. ,

* Diese und andere Folgerungen sind leicht Zu erkennen, wenn man dieFolgerungen aus dem realen Begriffe des Raumes gehörig erkannt hat.