täten unterschieden werden kann. Folglich gilt der Satz der Erkenn-barkeit auch vom Satze des Widerspruchs, und hat auch in dieser Hin-sicht den Borzug vor dem Satze des Widerspruches.
§. 11 .
In wie fern kann jedoch der Satz des Widerspruchsauch als der erste betrachtet werden?
Das unmittelbare Bcwußtseyn bezeugt uns, daß wider-sprechende Bestimmungen in demselben Subjekte nicht als zu-gleich cristircnd gedacht und erkannt werden können, daß sie ob-jektiv nicht zugleich eristiren können. In dieser Hinsicht kannalso auch der Satz des Widerspruchs als der erste gedacht werden,jedoch nie in dem Sinne, als wenn aus ihm allein je eine realeWahrheit, geschweige alle reale Wahrheiten, abgeleitet werdenkönnte». So wissen wir unmittelbar, daß der Mensch nicht zugleichein vernünftiges und »ichtvernünftiges Wesen seyn könne. Wollenwir aber die Wahrheit des Satzes erkennen: „Der Mensch ist nichtein unvernünftiges (nichtvernünftiges) Wesen"; so müssen wir schonvorher wissen, daß der Mensch ein vernünftiges Wesen ist. Dar-aus folgt dann, daß er nicht ein unvernünftiges Wesen ist, indemer nicht zugleich vernünftig und unvernünftig seyn kann.
§. 12 .
Zusammenhang des Satzes des ausgeschlossenen Drittenund der vollständigen Bestimmtheit mit dem Satze desWiderspruchs.
Da widersprechende Bestimmungen nicht zusammen möglich sind,da also, wen» die Realität eristirt, die Negation derselben nichtzugleich da seyn kann, sondern ausgeschlossen ist, und umgekehrt:so folgt, daß jedes eristirende Wesen nur eine von jeden zweiwidersprechenden Bestimmungen haben kann, daß alsoein Drittes ausgeschlossen ist, und zugleich, daß jedes eristirendeWesen eine von jeden zwei widersprechenden Bestimmun-gen haben muß, entweder die Realität oder die Negationderselben.
§. 13.
Ucbersicht der folgenden Sätze.
Bisher ist der Satz der Erkennbarkeit in seiner größten Allge-meinheit, worin er sich auf das innere Wesen der Dinge be-zieht, betrachtet, ohne daß dabei an die besondere Erkenn-barkeit der Eristenz der Dinge gedacht wurde, welche(Eristenz) entweder schon in dem Wesen selbst gegründet ist,oder nicht. Wir müssen nun insbesondere den Grundsatz fürdie Eristenz der Dinge in's Auge fassen, und zwar ,1. für die Exi-stenz der Dinge, welche werden, entstehen (bei denen also dieCrlsteiiz außer dem Wesen liegt); 2. den Grundsatz, welcher ganzallgemein für jede Eristenz gilt, also auch für diejenige Eri-