Druckschrift 
Handbuch der Philosophie :
(der Logik, Metaphysik, Moral- und Rechtsphilosophie)
Entstehung
Seite
122
Einzelbild herunterladen
 

122

lität; so wie jede Negation, also jede Bestimmung (so-wohl die mögliche, als die wirkliche) ist (innerlich) erkenn-bar, denkbar, ist also der objektive Grund einer möglichenihm entsprechenden Erkcnntniß; und zwar jede Realität ist un-mittelbar (direkt, geradezu) erkennbar, jede Negationaber ist mittelbar (indirekt) erkennbar".

Man bemerke hier: 1. Was Erkennen, Denken, Verstellen,also auch, was erkennbar, denkbar, vorstellbar scy, ist Jedem durchdas unmittelbare Bewußtseyn klar; nicht so klar aber ist das,was reell, was ein Ding sey. Das Reelle kann also mit Rechtedurch dasErkennbare, Denkbare, Vorstellbare" erklärt (de-finirt) werden. Folglich ist der Satz:Alles Reale ist das (direkt)Erkennbare, Denkbare, Vorstellbare" (welche drei Ausdrücke zwarverschieden sind, aber hier gleichbedeutend genommen werden kön-nen) eine reale Definition, daher, wie jede Definition, iden-tisch, aber nicht in dem Sinne identisch, als wenn das Prädikatsein Subjekt um nichts klarer auszeichnete, und um nichts besserunterschiede von Allem, was es nicht ist, als cs das Subjektselbst thut. Bei dem höchsten GeschlechtsbegriffeRealität" ist zwarkeine solche Definition möglich, wo das Aenrm proximuin superius und die ckillvrentia speciken angegeben wird, weil es hier-bei keine höhere Gattung gibt; aber es ist hier doch eine solche De-finition möglich, worin ein allgemeines Unterscheidungsmerkmalzwischen den zwei höchsten GattungenRealität" undNegation"ausgedrückt wird, ein Merkmal nämlich, welches allen Realitäten,und diesen allein (gar keiner Negation) zukommt, und zugleichweit klarer und leichter zu erkennen ist und besser dazu dient, jedesReelle vom Unreellen zu unterscheiden, als die äelinitnRea-lität und Negation" für sich allein. Der wesentliche Zweck jederDefinition, nämlich nt oonvenmt omni et soll, et sit elarior suoäeistnito, ist also auch bei dieser Definition erreicht.

Daß übrigens der erste Grundsatz eine Rcaldefinition seyn muß,erhellet aus folgendem Grunde:Allen Beweisen muß endlich EinSatz zum Grunde liegen, der keines weitern Beweises bedürftigund fähig ist; der seinen Beweis, seine Bewährung, in sich selbstträgt; der also ein Prädikat enthält, welches nach dem Zeugnisseunsers Bewußtseyns notbwendig dem Subjekte zukommt, welchesalso mit dem Subjekte identisch ist. Ein. solcher Satz kann alsonur eine Realdcfinition scy», von deren Realität Jeder überzeugtist, eine Definition, in welcher, wie bei allen Definitionen, dasPrädikat mit dem Subjekte identisch ist".

2. Bloßen Negationen entspricht keine Vorstellung schlecht-hin, es ist unmöglich, sich dieselben durch einen darauf gerichtetenSeelenblick geradezu (eigentlich) vorzustellen. Wo also eine Ne-gation einer Realität ist, d. i. wo eine Realität aufgehoben,nicht gesetzt ist, da muß die richtige Vorstellung auch die Abwe-senheit der Realität verstellen, muß, nachdem die entgegenge-setzte Realität vorgestcllt ist, diese Realität wcgdenken, d. i. die