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Handbuch der Philosophie :
(der Logik, Metaphysik, Moral- und Rechtsphilosophie)
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119
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S. 5.

Der Grundsatz^Alles, was existier, muß einen hinreichenden Grund seiner Existenz haben."

Wenn wir ein cristirendes Ding, z. B. ein schönes Gebände,erkennen: so können wir freilich darüber weiter Nachdenken, ohne ge-rade daran zu denken, daß es einen Grund seines Taseyns habe ;aber, sobald wir auf die Reflexion kommen, woher dieses Ding,dieses Gebäude wohl seyn möge, ist es uns durchaus unmöglich anzu-nehmen, daß es gar keinen Grund seines Seyns habe. Wir könnennicht denken, wie etwas seyn könne, wenn es keinen Grund desSeyns hat; wir können ein Seyn nicht möglich finden, was keinenGrund hat. Diese Nothwcndigkeit, einen Grund desDaseyns zu denken, diesen Gedanken für wahr, undden gedachten Gegenstand für wirklich zu halten, wirduns von unserm unmittelbaren Bewußtseyn bezeugt, sie geht aus derVernunft selbst hervor, und ist daher nicht auf empirischem Wege,durch Erziehung und Gewohnheit entstanden. Was durch Erziehungund Gewohnheit in dem Menschen erzeugt wird, das wird ja 1. nurnach und nach erzeugt, und kann 2. durch entgegengesetzte, oft wie-derholte, angestrengte Uebung entweder ganz oder zum Theile wie-der entfernt werden. Gerade das Gegentheil aber findet bei demstatt, was aus dem Wesen der Vernunft hervorgeht, was also injedem vernünftigen Subjekte liegt, und nie und nirgend» vertilgtwerden kann, weil das Wesen der Vernunft unvcrtilgbar ist.

Daß nun das nothwcndige Denken eines Grundes derExistenz zugleich das nothwendige Fürwahrhalten ist, daßein solcher Grund der Existenz wirklich eristirt, das bezeugt uns das-selbe unmittelbare Bewußtseyn. Denn nicht bloß den Gedan-ke» eines Grundes, sondern einen in der Wirklichkeitvorhandenen Grund müssen wir haben, um begreifen zu kön-nen , daß die Existenz eines Dinges möglich sey (daß etwas wirklichseyn könne). Es läßt sich ja nicht aus einem bloßen Gedanken, denwir haben, einsehen, daß es möglich sey, daß etwas Wirkliches,z. B. eine schöne Kirche, außer unfern Gedanken da sey. Das un-abweisbare Bedürfniß unserer Vernunft also, zu begrei-fen, daß die Existenz eines Dinges möglich und gerade somöglich sey, kann nicht durch einen bloßen Gedanken, daßcs einen wirklich vorhandenen Grund habe, daß es aber auch mög-lich sey, daß in der That wohl dieser Grund nicht ba sey,befriedigt werden. Siehe Hermes S. 179.

* Nur in Beziehung auf die Möglichkeit der Eriftenz haben wir dasunabweisbare Bedürfniß zu begreifen; nämlich wir sind gcnöthigt, einenhinreichenden Grund einer jeglichen Cristen; zu denken; aber wir habennicht ein unabweisbares Bedürfniß, zu begreifen die Arr und weise, wieetwas geworden, in's Dascyn gekommen ist, oder, wenn csimmer und nvthwendig eristirt, wie das Daseyn im Wesengegründet seyn könne. Dieses wie ist uns unerforschlich, esgenügt uns völlig, zu wissen, daß Etwas so sey. Aus dem frucht-losen Streben, die Art, wie die Dinge in's Daseyn gekommen sind, zu