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3) Nicht nur ist die Form der Philosophie sehr veränderlichgewesen, sondern sehr viele Systeme haben sich auch gegen-seitig bekämpft^ zu verdrängen gesucht, und manche traurigeVerwirrung hervorgebracht.
§. 35.
Widerlegung der Einwendungen gegen den wah-ren Werth der Philosophie.
Einwendungen: Die Philosophie zieht den Menschenvom Handeln ab, und macht ihn zu einem müßigen Spekulan-ten. — Sie tauscht auch, verspricht ihm Erkenntniß der Wahr-heit, und gibt ihm nur Hirngespinste. — Die so verschiedenen,sich entgegengesetzten Systeme schrecken vom Studium derPhilosophie zurück, zumal, da sie eine trockene Wissenschaftist, und wenig Anziehendes hat. — Man muß sich mit dem gesun-den Menschenverstände begnügen, sonst versteigt man sich, undstürzt dann in Zweifclsucht und Unglauben. — Wozu endlichnoch das Studium der Philosophie, da die Offenbarung alleinuns hinreichende Gewißheit über unsere wichtigsten Angelegenhei-ten gibt?
Antwort: Hier wird Wahres und Falsches, der Mißbrauchder philosophirenden Vernunft und der gute, zweckmäßige Gebrauchderselben vermengt und mit einander verwechselt. Man muß zwi-schen zwei Extremen den Mittelweg, den gerade zum Ziele führendenWeg Anschlägen. Es ist wahr, daß die Vernunft nicht Alles erken-nen kann, aber kann sie deshalb nichts? Kann sie die von dem ge-sunden Menschenverstände dunkel, undeutlich erkannten Wahrheitennicht durch angestrengtes Denken klar und deutlich machen? Sollman, weil wir zwei Geistesaugen (die Vernunft und Offenbarung)haben, das eine undankbar, und grausam gegen sich selbst sich aus-reißen ? Kommt man nicht zugleich dadurch in Gefahr, auch an demandern Auge zu erblinden? Wie will man ohne Deutlichkeit undGründlichkeit der Kenntnisse (welche in der Philosophie errungenwird) so manchen verwickelten Jrrthümern auf die Spur kommen,so manchen verwirrenden Einwendungen entgegentreten und sich in derWabrhcit behaupten und befestigen? Doch genug biervon. Am zweck-mäßigsten scheint es zur Rechtfertigung des guten Gebrauchs der Phi-losophie zu seyn, die Klippen anzuzeigen, woran viele Philosophengescheitert sind. Daher
§. 36.
Einige Mißbrauche der philosophirendenVernunft.
1) Man mißbraucht die philosophirende Vernunft, wenn manstolz ihre Schranken überspringen, und das ihr Unerforschtliche. Unbegreifliche erforschen, begreifen will. Daher die unglück-lichen Systeme, die durch das Bestreben, das Wie der Schöpfungzu begreifen, entstanden sind (Emanationslehre, Pantheismus).
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