chen Geist zur Wahrbeit, zur Erkenntniß seiner Bestlmmnng, sei-nes höchsten Gutes; b. sie zieht ihn vom Sinnlichen ab, und schwä-chet so die übergroßen Reize der Sinnlichkeit; c. ste zügelt die aus-schweifende Phantasie »nd die Herrschaft der Gefühle, und erleich-tert so die Herrschaft der Vernunft.
4) Hiedurch hat die Philosophie besonder» Einfluß auf dieganze Thätigkeit des Menschen, und auf die Brauchbarkeitdesselben für die Welt. Denn nicht nur wird die im Herzensich entwickelnde Moralität wohlthätkg nach Außen wirken, sondernauch das herrschende Streben des Philosophen nach Gründlichkeit,Ordnung und Zusammenhang wird überall sich kund tbun, und Ue-bereiiistimmung, Ordnung und Zweckmäßigkeit in der gesammtenWirksamkeit zur Folge haben.
5) Wie einflußreich ist aber eben hierdurch die Philosophie aufdie menschliche Glückseligkeit! Denn a. die Philosophie be-friedigt die Bedürfnisse des Geistes, den Durst nachWahrheit, und gewährt durch die gehaltvollen Kenntnisse, womitsie ihn bereichert, und durch die lebendige Anregung der Geistes-kräfte ein außerordentliches Vergnügen; l>. sie befördert die Til-gend, und bringt Harmonie in unsere innere und äußereThätigkeit, und dadurch Ruhe, Seelenfrieden, Hoff-nung. Diese Glückseligkeit unter den Mitmenschen aus-zubreiten, dazu ist der Philosoph vorzüglich geeignet und gestimmt,er, der so sehr darnach strebt, Ordnung und Uebereinstimmung inalle seine Tätigkeiten zu bringen, Ordnung und Glückseligkeit insich und andern zu begründen, und Segen aller Art um sich herzu verbreiten.
^ M. Mendelsohn (in seinen Briefen an die Freunde Lessing's) drückt dennächsten Zweck der Philosophie so aus: „Die Spekulation bat bloß dasGeschäft, die Aussprüche des gesunden Menschenverstandes zuberichtigen und in Vernunftkenntniß zu verwandeln. Solange ste beide, gesunde Vernunft und Spekulation, noch im guten Ver-nehmen sind; hat man ihnen zu folgen, wohin sie leiten. Sobald sicaber sich entzweien, muß man sich zu oricnkiren suchen, und sie beide,wo möglich, auf den Punkt zurückführen, -von welchem sie ausgegan-gen sind. Da die Sopbistik durch allerband Spipfindigkeiten den gesun-den Menschenverstand in Verwirrung bringt: so muß man Kunstmittelanwenden, ihm zu Hülfe zu kommen. Man muß die metairhysischenSubtilitäten, deren man sich bedient, um zu mißleiten, gegen die Wabr-heit halten, vergleichen, untersuchen, prüfen, und durch noch feinereBegriffe zu verdrängen suchen."
Z. 34.
Einschränkung des Werthes der Philosophie.
1) Die philosophirende Vernunft kann sich leicht verirren,und auf Abwege gerathen.
2) Sie kann Nur die Wahrheiten, die in ihren Kreisgehören, auffinden, muß also bescheiden seyn, und auch dieübrigen Wahrheiten, die außer den Kreis der menschlichen Vernunftfallen, aber durch erkannte hinreichende (äußere) Gründe bewährtsind, gelten lassen, ja bereitwillig anerkennen.