Druckschrift 
Handbuch der Philosophie :
(der Logik, Metaphysik, Moral- und Rechtsphilosophie)
Entstehung
Seite
8
Einzelbild herunterladen
 

8

bezeichnet man daS zweite Vermögen, das Vermöge» nämlich, dasdurch die Sinne Wahrgcnommcnc zn verbinden und ;n trennen (inempirischen Begriffen, Urtbcilcn und Schlüffen) mit dem NamenVer-stand"; so besteht unser sinnliches Erkenntnißvermögen aus den bei-den Vermögen: 1. ans derSinnl i chkeit, dem Einpfindungsvcrinögcn,sinnlichen Wahrnehmungsvermögen, und 2. aus dem Verstände.Das übersinnliche Erkenntnißverinögen ist das Vermögen,das (nicht von den Sinnen unterscheidbare) Wesen der Dinge zuerkennen, also über das Wesen der Dinge nothwendige und strengallgemeine Begriffe, Urthcile und Schlüsse zu bilden. Bezieht sichein Begriff auf ein solches Wesen, welches einzig ist, und alleübrigen Dinge ausschließt (nämlich der Begriff vom Unendlichen):so ist dieser Begriff freilich ein einzelner, auf nur Ein Wesensich beziehender Begriff; er kann aber doch in der Hinsicht allge-mein und nothwendig genannt werden, weil er sich nothwendigund allgemein auf alle solche Wesen, wenn mehrere möglich wären,beziehen würde. Daher kann die Vernunft mit Recht das Ver-mögen genannt werde», streng allgemeine und nothwendige Begriffe,Urtheilc und Schlüsse zu bilden. Die Vernunft kann auch dasVermögen zu begründen, zu begreifen (daßetwas möglich undwirklich ist) genannt werden, weil entweder im Wesen eines Dingesselbst, oder im Wese» eines andern Dinges der wesentliche Grund(der Möglichkeit und) des Daseyns enthalten seyn muß, und an sicherkennbar ist; also die Vernunft, die das Wesen erkennt, auchdieses zu erkennen fähig seyn muß.

* Einige verstehen unter Vernunft das Vermögen, das Göttlichezu vernehmen. Sie sagen:Wie wir durch den (äußern und innern)Sinn Gegenstände durch ihre Einwirkung aus uns wabrnchmen > undals solche unterscheiden, erkennen), obgleich die Art, wie dieses ge-schieht, unS unbegreiflich ist; so haben wir auch das Vermögen, Gottdurch seine besondere Einwirkung auf uns zu vernehmen (die Ver-nunft, wenn wir auch die Art, wie uns Gott davon versichert, daßer sich offenbart, nicht begreifen können. Daher sind die Vorstellun-gen:Gott, Unsterblichkeit. . .", die durch die Einwirkung, Offen-barung Gottes an die ersten Menschen erzeugt, und uns erzählt, be-zeugt sind, übersinnliche Vorstellungen, Begriffe der Vernunft. Ver-stehen wir nun auch das uns Milgetheilte, und von uns Vernom-mene (Gehörte), gehen wir also in das Innere ein; so äußert sichunser Verstand, der demnach Hader steht, als die Vernunft.

** Mas die Erklärung anqehr:Verstand ist das Vermögen, Be-griffe zu bilden; Vernunft ist daS Vermögen zu schließen'-; so hatman dabei nicht beachtet, daß wir sowohl empirische, als (davon ganzverschieden«) nichtempirische Begriffe, Unheil« und Schlüffe bilden.

Will man die so verschieden angegebenen Erklärungen über Verstandund Vernunft vereinigen; so konnte man sich etwa so ausdrücken:i. Der sinnliche Verstand und die slnnliche Vernunft sind dasVermögen, sinnliche Begriffe, Urthcile und Schlüffe zu bilden,r. Der übersinnliche Verstand, die übersinnliche Vernunft sind daSVermögen, übersinnliche Begriffe, Urtheilc und Schlüße zu bilden.

§. 2l.

Philosophie, P h i l o s o p h i r c n.

Philosophie ist die Wissenschaft der letzten hinrci-