Druckschrift 
Handbuch der Philosophie :
(der Logik, Metaphysik, Moral- und Rechtsphilosophie)
Entstehung
Seite
5
Einzelbild herunterladen
 

5

kennen der Gültigkeit eines UrtheilS, mit welchem (Anerkennendzugleich das Gefühl der Billigung, daß wir so urtheilcn (der Bei-fall) verbunden ist.

§. 12 .

Arten der Ueberzengung: 1. Wissen.

Erkenne ich die letzten hinreichenden Gründe (welche von Men-schen erkennbar sind), mit dem Bcwußtseyn, daß diese die letzten hin-reichenden Gründe sind; so weiß ich die Sache.

§. 13 .

Empirisches Wissen.

Das Wissen ist empirisch, wennicheineSacheselbst erfahre,und also, da cs keine weitere noch erkennbare Gründe gibt, die indieser Hinsicht letzten hinreichenden Gründe erkenne. So sagen wir:ich weiß, daß ich dieses sehe, höre . . .; ich weiß, daß ich aufeinem Berge bin.

Die Erfahrungskenntniß ist entweder eine unmittelbare,oder eine mittelbare. Die unmittelbare Erfahrnngs-kcnntniß (die Erfahrung) ist jene Erkenntniß, welche wir durchdie bloße Aufmerksamkeit (Reflerion) auf unsere Empfindungen (sinn-lichen Wahrnehmungen) ohne allen Schluß erlangen, z. B. ich habedie Vorstellung von einer Rose. In den unmittelbaren Erfahrun-gen urtheilcn wir, daß irgend eine Vorstellung in uns scy; wir schlie-ßen nicht erst, daß wir die Vorstellung einer Rose haben, sondernwir erkennen das Daseyn dieser Vorstellung unmittelbar, wir er-kennen also die Wahrheit derselben unmittelbar.

Jene Urthcile, welche ans unmittelbaren sinnlichen Wahrnehmun-gen gefolgert werden, heißen mittelbare (vermittelte) Er-fahrungen, Erfahrnngskcnntnisse; man könnte sic auchErsahrungsschlüsse nennen, z. B. die Kcnntnifi, daß dieseVorstellung von einer Rose von dem Eindrücke dieser hier eristirendcnRose hervorgcbracht ist. So ist auch das Urtheil:Auf diesem Tischeliegt kein Buch" eine mittelbare Erfahrungskenntniß; denn ich schließedieses daraus, daß, wenn ein Buch da wäre, ich es wahrncbmenmüßte, da ich aber die Falschheit des Urthcils:ich sehe ein Buch"unmittelbar erkenne.

§. 1-l.

Rationales Wissen.

Das rationale Wissen (Vernunft-Wissen) besteht in der Er-kcnntniß der letzten hinreichenden innern Gründe einer Sache, dieso beschaffen sind, daß das Gegcnthcil an sich unmöglich ist. Wis-senschaft (in materialer Bedeutung) ist das Wissen selbst (z. B. ichhabe Wissenschaft von dieser Sache). In formaler Hinsicht ist Wis-senschaft ein systematischer Inbegriff evidenter Kenntnisse. Zu einemSysteme überhaupt gehören 1. ein eigcnthümlichcr Inhalt, mehreregleichartige (auf einen Gegenstand sich beziehende) Kenntnisse,