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Genie und Irrsinn.
daß er, als er gesund war, liberalen Ideen huldigte, undden Verdacht, vielleicht auch die Verfolgungen der herzog-lichen Regierung auf sich zog. Von da ab beginnt seinVerfolgungswahn, der zunächst durch Gehörs- und Gesichts-störungen hervorgebracht wurde. Fast fortwährend hörteer einen fürchterlichen Ton, eine „tromba looutoria" wieer sich ausdrückte. Er sah Engel, Priester und Frauen,die ihm mit Trompeten und Sprachrohren in die Ohrenschrieen, ihn beleidigten, ihn bedrohten. Es waren die„Ohrenbläser der Sanfedisten, der Verbrüderung des hei-ligen Ketzergerichts." Diese Einbläser zwangen ihn mittelstgeheimnisvoller, galvanischer Fäden zu stehen, zu gehen, eineSache zu thun oder zu unterlassen; er hatte keine Freiheit.Ich hatte umsonst gehofft, durch einen Wechsel der Maß-regeln, ihn davon zu erlösen; statt dessen vennehrten undverschlimmerten sich die Verblendungen. Eines Tages saher sie zu Hunderten aus einer Spalte des Gewölbes Hervor-kommen; aus hundert Mündern bliesen sie ihn an, sodaßer erschrocken vor dem Getöse sich flüchtete.
Er sprach übrigens nicht von seinem Irrwahn, wenn ernicht befragt wurde, und dann nur mit großer Anstrengung;es schien, daß er, wenn er davon sprach, sogar die Luftfürchtete. Gewöhnlich saß er viele Stunden des Tages mitgesenktem Kopfe, schweigend, ruhig, zerstreut und unthätig.
Im vergangenen Jahre fragte ich ihn, ob er jemalsein Handwerk getrieben hätte; er antwortete mir: dasDrechseln. Ich wollte ihn sodann gleich an die Arbeitstellen, was er gern that, zum Dank für etwas Tabak undmehr Wein. Nachher vertraute ich ihm auch einen jungenTaubstummen an, damit er diesem das Handwerk beibringe,und er machte aus demselben einen guten Zögling. Ich wollteversuchen, ihn im Theater mitspielen zu lassen, in einerRolle von wenigen einsilbigen Worten, welchem er sich williganbequemte; aber es war keine Möglichkeit, ihm etwasbeizubringen, so sehr hatte sein Gedächtnis gelitten.