Genie lind Irrsinn. 841
" hätte; keiner, in welchem die Leidenschaft, für das Wahrej und Schöne die Liebe zur Familie und zum Vaterlande
. erstickt hätte. — Sie änderten niemals den Glauben oder
den Charakter, sie schweiften niemals vom Ziele ab, sieließen niemals ihr Werk unvollendet. Welche Festigkeit,welchen Glauben, welche Kraft zeigten sie nicht bei ihrenUnternehmungen! und besonders welche Mäßigung undl welche Einheit des Charakters bewahrten sie ihr ganzes Leben> hindurch!
Und doch mußten auch sie, nur allzusehr, nach dem er-habenen Schwung der Begeisterung, die Marter des un-wissenden Hasses und die Mutlosigkeit des Zweifels oderder Abspannung erfahren; aber deshalb irrten sie doch nie-mals vom rechten Weg ab.
Die einzige Liebliugsidee, das Ziel und der Triumphdes edlen Lebens, für die jeder von ihnen geboren zu seinschien; diese zum Mittelpunkt ihres Strebens gemachteIdee, leitete sie zum Ziele, ohne daß sie sich Uber die Hin-dernisse beklagten, immer ruhig, immer heiter, nur sehrkleine Jrrtiimer begehend, — Jrrtümer, welche man beieinem gemeinen Manne oft für wahre Entdeckungen hättegelten lassen.
Schließen wir: — Es giebt zwischen der Physiologie desMannes von Genie und der Pathologie des Geisteskrankennicht wenige zusammentreffende Punkte. — Es giebt Ver-rückte mit Genie, und Genies, die verrückt sind. — Aberl es giebt und gab sehr viele Genies, die, abgesehen voneinigen Abweichungen des Empfindungsvermögens, niemals, an Irrsinn litten. — Vielmehr hatten fast alle irrsinnigens: Genies besondere und ihnen eigentümliche Merkmale.
Ich hoffe deshalb, daß ich durch das, was ich bisher, --obwohl in den bescheidenen Grenzen der psychologischen Be-trachtung mich haltend — erklärt habe, auch einen soliden,
^ aus Erfahrung begründeten Ausgangspunkt für die Kritik! artistischer und litterarischer, und zuweilen wissenschaftlicher