Druckschrift 
Genie und Irrsinn in ihren Beziehungen zum Gesetz, zur Kritik und zur Geschichte
Entstehung
Seite
216
Einzelbild herunterladen
 

216

Genie und Irrsinn.

scher Erregung. So gab es einen, der sich während deSVerlaufes seiner Krankheit in einem wahren musikalischenDelirium befand; er ahmle die Laute aller Instrumentenach mit allen Zeichen der höchsten Begeisterung. Eingeisteskrankes Weib, daS sich für die Kaiserin von Frank-reich hielt, machte bald mit dem Munde, bald mit denFäusten die Musik, welche den Marsch ihres Heeres be-gleitete; wenn sie mit der Faust ans den Tisch schlagendden Laut der Trommel hervorznbringen suchte, begleitetesie dieses Geräusch mit betäubendem Gesang (Raggi).

Naggi machte mich ebenfalls auf einen Wahnsinnigenaufmerksam, welcher durch einen Sprung aus dem Fensterden rechten Schenkelknochen gebrochen hatte und jedenVerbandapparat unnütz machte, indem er Tage hindurchmit lauter Stimme Motive ans dem Troubadour vonVerdi sang und seinen Gesang mit kurzen, starken, rhyth-mischen Schlägen auf die Wanne begleitete. — Ein andererGeisteskranker setzte ebenfalls unausgesetzt einen monotonenGesang fort und nannte sich einen großen Admiral. —Der sonderbare Megalomane M., Dichter und Maler,von dessen teils ergreifenden teils lächerlichen Dichtungenwir dem Leser eine Probe gaben, komponierte auch Musik-stücke, aber bei der Aufzeichnung derselben verfuhr er nacheiner ganz eigentümlichen Methode, die nur ihm allein ver-ständlich war.

Bei den tobsüchtigen Irrsinnigen walten die hohen undlustigen Töne vor, besonders in den heitern Augenblickenihres Daseins (Naggi).

Übrigens werden alle, welche auch nur flüchtig einIrrenhaus besuchen, sogleich auf das häufige Singen undSchreien in allen Tönen und auf daS Gepolter aufmerk-sam werden.

Und dies alles wird nicht nur begreiflich erscheinen,sondern auch das häufige Erwachen dichterischer Begabungin den Geisteskranken erklären für denjenigen, welcher