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Genie und Irrsinn.
äußerte. Eines Kranken erinnere ich mich, welcher dieSprache verloren hatte und doch unaufhörlich die schwie-rigsten Musikstück» vom Blatte spielte. Ein Mathematikervon großem Talente, welcher in Trübsinn versunken war,improvisierte auf dem Klaviere und ohne sich jemals vor-her mit Musik beschäftigt zu haben, Melodien, die einesMusikers und Komponisten würdig gewesen sein würden.Ein anderer ebenfalls geisteskrank, der aber seit seinenJugendjahren Musik studierte, blieb bis zu seinem Todeein guter Spieler und Improvisator.
Ein an Größeiuvahnsinn leidendes Weib, das früherschon an Syphilis erkrankt war und von Tamburin! be-handelt wurde, sang in der Erregung sehr schöne Arien,während sie zugleich auf dem Klavier, anstatt ihren Ge-sang zu begleiten, zwei verschiedene Motive improvisierte,welche weder unter sich noch auf die Arie irgend welchenBezug hatten (Tamburini).
Ein an der Pellagra erkrankter, von mir in meinerKlinik geheilter junger Mann erfand sehr schöne, neue undmelodische Weisen.
Naggi erzählt mir von einem an Trübsinn leidendenWeibe, welches er behandelt hatte. Kamen ihre Anfälle,so spielte dieselbe ohne Lust und kein Leben bewegte dieTöne, welche sie dem Instrumente entlockte; waren dieAnfälle vorüber, so brachte sie ganze Tage am Klavier zuund spielte mit wahrhaft künstlerischer Begeisterung dieschwersten Kompositionen. Raggi fand auch bei einemandern Weib, das an Megalomanie litt, den Sinn fürMusik sehr entwickelt; fortwährend sang sie Arien aus denWerken Bellinis, wobei freilich die falschen Töne nichtfehlten.
Auch hier scheinen die Megalomanen und die an gei-stiger Lähmung Leidenden die übrigen zu übertreffen, undzwar aus derselben Ursache, welcher ihre besondere Be-fähigung zur Malerei entspringt, ans unbegrenzter Psychi-