192 Genie und Irrsinn.
Muttergottes und setzt darunter eine auf sich selbst bezüg-liche Inschrift. I
2. Wie wir schon gesehen haben, entwickelt die Geistes- !krankheit die Originalität bis zu einem hohen Grade in den !genialen Menschen und ebenso in den mit Genie ans- lgestatteten Narren (s. unten). Diese originelle Erfindungs-gabe läßt sich sogar bei nur halbwahnsinnigen Menschenbeobachten. Der Grund derselben liegt eben in der völligenEntfesselung der Einbildungskraft, welcher mithin Schö-pfungen entspringen können, vor denen ein klarer berech-nender Verstand, aus Furcht ins Abgeschmackte, Lächerliche,Unvernünftige zu fallen, zurückschrecken würde. — Zu Pesaro, >im Jrrenhause, lebte eine Frau, welche ans eine ganzeigentümliche Art stickte und zeichnete; sie zupfte die Lein-wand auseinander und befestigte die auf diese Weise ge-wonnenen Fäden mit Speichel auf Papier.
Eine andere Stickerin, welche früher dem Trünke er-geben war, stellte unaufhörlich Schmetterlinge dar, welche !Atem zu holen schienen. Sie hatte das Verfahren der !Farbenstickerei ans die Weißstickerei angewendet und ließhierbei die Schattierungen so deutlich hervortreten, alsseien es verschiedene Farben.
Zu Macerata bildete ein Geisteskranker vermittelst einergroßen Menge kleiner Stäbchen die Fayade des Irren-hauses nach. Ein anderer stellte ein Lied vermittelst derBildhauerkunst dar, eine Übertragung, welche freilich nursehr schwer zu entziffern war. Ein dritter, zu Genua,grub das Bild von Pfeifen in Kohlenstücke ein. — Eingewisser Zanini, im Jrrenhause zu Reggio, verfertigte sichganz eigentümliche Stiefeln, damit kein anderer seine Fuß-bekleidung anlegen könne. Der Stiefel seiner Erfindungwar an einer Seite offen und konnte mit Schnüren ge-schlossen werden und hatte überdies künstliche mit Hiero-glyphen verzierte Säume.
Ein gewisser M. L., welcher sich im Jrrenhause zu